New York (dpa) l Nur rund 20.000 Einwohner hat das unscheinbare Örtchen nördlich der Millionenmetropole New York, aber eine blutige Chanukka-Attacke hat Monsey auf die politische Landkarte katapultiert. Als "schrecklich" bezeichnete US-Präsident Donald Trump den Messerangriff im Haus eines Rabbis in Monsey in der Nacht zum Sonntag mit fünf Verletzten. "Widerlich", kommentierte sein Außenminister Mike Pompeo. Auch der Sonderbeauftragte der UN-Allianz der Zivilisationen, Miguel Moratinos, schaltete sich ein und verurteilte den Angriff scharf.

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo plädierte dafür, den Vorfall als "innerstaatlichen Terrorismus" zu werten und der Bürgermeister der Millionenmetropole, Bill de Blasio, sprach sogar von einer "Antisemitismus-Krise in den USA": "Was wir sehen, ist ein wachsender Antisemitismus in diesem Land, der zutiefst gefährlich ist."

Der Täter von Monsey, ein 38 Jahre alter Mann, konnte festgenommen werden. Er muss sich nun wegen fünffachen versuchten Mordes und Einbruchs verantworten und plädierte zunächst auf nicht schuldig. Nach Angaben von Familienmitgliedern und seines Anwalts hat er immer wieder mit psychischen Krankheiten gekämpft, sich aber bislang nicht öffentlich antisemitisch gezeigt. Vier der Verletzten konnten bis zum Montag wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden, einer wurde mit einer Kopfverletzung weiter behandelt.

Attacken häuften sich

Der Angriff von Monsey hat wohl auch deshalb so viele entsetzte Reaktionen hervorgerufen, weil sich diese Art Attacken in den vergangenen Wochen im Großraum New York häuften: Während des mehrtägigen jüdischen Lichterfests Chanukkah hatte es mindestens fünf offensichtlich antisemitisch motivierte Angriffe in der Millionenmetropole gegeben. Im Nachbarbundesstaat New Jersey waren bei einem Angriff auf einen jüdischen Laden vor wenigen Wochen neben den beiden Attentätern drei Zivilisten und ein Polizist getötet worden.

Nach einer Studie der Brandeis-Universität leben in den USA schätzungsweise 7,5 Millionen Juden – und stellen damit die größte jüdische Gemeinschaft der Welt, noch vor Israel. Im jüdischen Staat leben 6,7 Millionen Juden. Im Örtchen Monsey sind rund ein Drittel der Einwohner jüdischen Glaubens. Und in keiner Stadt der Welt leben mehr Juden als in New York, die Zahl wird auf weit über eine Million geschätzt. Viele Israelis sehen die Metropole daher als "jüdische Stadt" und zweite Heimat – deshalb sind antisemitische Übergriffe im Großraum dieser Stadt besonders schmerzhaft. "Ich glaube, wir müssen uns der Realität bewusst werden", sagte die Jüdin Shoshana Bernstein aus Monsey dem Magazin "The Atlantic". "Als Juden in New York sind wir nicht sicher."

Die Zahl der antisemitischen Übergriffe in den USA war nach Angaben der Anti-Defamation League, die sich in den USA gegen Diskriminierung von Juden einsetzt, eigentlich seit 2001 stetig gesunken – steige aber seit 2014 wieder an. Beim bislang schlimmsten Angriff hatte im Oktober 2018 ein Mann elf Gläubige in einer Synagoge in Pittsburgh erschossen. Auch weltweit gibt es derzeit eine Welle antisemitischer Übergriffe.

In einem Einwandererland wie den USA gibt es vielerorts immer wieder religiös-kulturelle Spannungen, gerade in einer Stadt wie New York, wo Menschen verschiedenster Herkunft so dicht beieinander leben. Dass sich diese Spannungen nun aber häufiger in Hass und brutalen Attacken entladen, dafür machen manche Menschen auch US-Präsident Trump mitverantwortlich. "Eine Atmosphäre des Hasses hat sich in diesem Land in den letzten paar Jahren entwickelt", sagt beispielsweise der demokratische New Yorker Bürgermeister De Blasio. "Viel davon kommt aus Washington und hat große Auswirkungen."

Eine israelische Angelegenheit

In Israel wird die Entwicklung mit großer Sorge beobachtet. "Wir werden es dem Antisemitismus nicht erlauben, sein Haupt zu erheben, und wir werden alles tun, um die antisemitische Welle zu stoppen, die New York in den letzten Monaten überspült hat", sagte der israelische Generalkonsul in New York, Dani Dayan, bei einem Besuch in Monsey. Der Vorfall werde trotz der geografischen Entfernung als innere Angelegenheit Israels betrachtet.

"Immer wieder sind wir Zeugen der schlimmen Auswirkungen des Antisemitismus, diesmal in Monsey in New York", schrieb Israels Ex-Verteidigungsminister Avigdor Lieberman bei Twitter. Er sehe als Hauptlösung da nur die Auswanderung von Juden nach Israel.