Magdeburg l Der aktuelle Lagebericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigt, dass die Zahl der wöchentlichen Tests auf Coronaviren in Deutschland auf mehr als 350 000 gestiegen ist. Wegen begrenzter Kapazitäten hatte das RKI anfangs eine stark limitierende Linie verfolgt. Mittlerweile soll jeder getestet werden, der Symptome wie etwa trockenen Husten oder Fieber aufweist. Doch Virologen und Forschern geht das nicht weit genug. Sie fordern breitere Untersuchungen. Ähnlich wie in Südkorea, wo man ohne harte Ausgangssperren das Virus gut im Griff hat. „In meinen Augen ist das eine sehr gute Strategie und auch eine Strategie, die in Deutschland machbar ist“, meint der Bonner Virologe Hendrik Streeck. Er leitet die erste repräsentative Untersuchung in Nordrhein-Westfalen. Dabei werden zufällig ausgewählte Menschen getestet.

Um Tests massiv auszuweiten, werden aber höhere Kapazitäten benötigt. Dazu gehören neben Tupfer und Reagenzien auch Labore. Ihre Hilfe angeboten haben mittlerweile auch tiermedizinische Labore; sie sind ebenfalls in der Lage, die menschlichen Proben zu untersuchen. „Es wäre sinnvoll, verfügbare Kapazitäten der Veterinärmedizin zumindest übergangsweise einzubeziehen“, sagt Professor Franz Conraths, Chef des Instituts für Epidemiologie Greifswald der Volksstimme. „Die Veterinär- untersuchungsämter sind in der Lage, Corona-Tests vorzunehmen. Viele sind grundsätzlich darauf vorbereitet, große Zahlen von Proben zu untersuchen“, sagt Veterinärmediziner Conraths.

Auch in Sachsen-Anhalt hat das tiermedizinsche Labor des Landes in Stendal Kapazitäten für 1200 bis 3000 Proben pro Woche. „Als Reserve ist das denkbar“, sagte eine Sprecherin des Gesunheitsministeriums. Bislang nutzt Sachsen-Anhalt neben privaten Laboren die Unikliniken sowie ein Labor des Landesamtes für Verbraucherschutz. Dieses bewältigt etwa 1400 Tests pro Woche.

Entscheidend für das weitere Vorgehen ist nach Überzeugung vieler Experten die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser. Dem Robert-Koch-Institut liegen Daten von 912 Kliniken vor. Diese verfügen über knapp 19 000 Intensivbetten. Gut 8000 sind derzeit frei, weitere 8000 können kurzfristig aktiviert werden. Aktuell werden in diesen Kliniken fast 1900 schwerstkranke Covid-Patienten behandelt; unter ihnen mehr als 1500 künstlich beatmet.

Kliniken nehmen Kranke aus Italien auf

In Sachsen-Anhalt stehen demnächst fast 600 Intensivbetten bereit. Täglich werden derzeit etwa 50 neu Infizierte gezählt. Nach aktueller Risikoeinschätzung müssen die Kliniken daher mit zwei bis drei weiteren akuten Fällen täglich rechnen. Eine Überlastung droht derzeit nicht. Gesundheitsministerium Petra Grimm-Benne (SPD) sagte: „Wenn es in anderen Bundesländern noch schlimmer wird, können wir helfen.“ Das Angebot gilt auch für andere Staaten. So will eine Klinik in Halle Patienten aus Mailand aufnehmen.

Deutsche Krankenhäuser behandeln inzwischen 119 Covid-Patienten aus EU-Ländern. 85 davon wurden aus überlasteten französischen Gebieten nach Deutschland gebracht, 32 aus Italien und zwei aus den Niederlanden.

Italien ist das am stärksten betroffene Land in der Europäischen Union. Fast 94 000 Menschen sind aktuell an Covid erkrankt. Knapp 17 000 haben die Krankheit mittlerweile überstanden. 13 500 Covid-Patienten starben. In Deutschalnd wurden gestern fast 63 000 Erkrankte gezählt. Mehr als 19 000 Infizierte sind wieder gesund. 997 Tote wurden bislang registriert. Die weltweit höchsten Patientenzahlen meldet die USA. 208 000 Covid-Kranke gibt es dort mittlerweile. Erst 8700 haben die Krankheit überstanden. Mehr als 5000 mit dem Coronavirus Infizierte starben.

Zur Bewältigung der Corona-Krise in Deutschland will die Bundeswehr Länder und Kommunen ab Ende der Woche mit 15 000 Soldaten unterstützen. Die Männer und Frauen seien dann unterschiedlich schnell – beispielsweise binnen 12 bis 72 Stunden – abmarschbereit, sagte ein Sprecher der Bundeswehr. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte die Bundeswehr auf einen langen Kriseneinsatz eingestellt.