Frucht der Kooperation

Am DAAD-Projekt „Soziale Arbeit, Flucht und Kultur“ sind die Al Balqa Universität Amman, die An-Najah Universität Nablus, die Hochschule Neubrandenburg und die Hochschule Magdeburg Stendal beteiligt. Entsprechende Workshps gibt es auch in Jordanien und Palästina.

Wichtige Schaltstelle für den Austausch ist die German-Jordanian University (GJU), die 2005 gegründet wurde. Deutscher Koordinator ist die Hochschule Magdeburg-Stendal.

Tawfeek Alsheik, Anfang 20, ist ein pfiffiger Bursche. Der schwarzgelockte Syrer entschuldigt sein angeblich schlechtes Deutsch damit, dass er der Sprache noch „nicht mächtig sei“. Allein das Vokabular offenbart das Gegenteil – der Soziologiestudent hat es seit Herbst 2015, als er auf der Flucht aus Damaskus nach Deutschland kam, in der hiesigen Sprache bis zu Dolmetscher-Qualitäten gebracht.

Die werden auch gebraucht, um mit der jordanischen Soziologin Sahar Makhamreh (Universität Amman) und ihrem Kollegen Sami Al-Kilani (palästinensische Universität Nablus) darüber zu sprechen, was sie nach Magdeburg geführt hat: Ein internationales Projekt zur Sozialarbeit mit Flüchtlingen.

Al-Kilani berichtet, dass für die Palästinenser im Westjordangebiet die Migration alles andere überstrahle: „Das Herz des israelisch-palästinensischen Konfliktes sind die Flüchtlinge.“ Die Jordanierin Makhamreh beschwört die unverzichtbare Toleranz zwischen Einheimischen und Flüchtlingen: „Wenn die Leute nicht mitmachen, wird es immer schwerer.“

Jordanisches Trauma

Das klingt bekannt für deutsche Ohren und ist ein jordanisches Trauma. Das Land mit knapp zehn Millionen Einwohnern hat nach UN-Angaben knapp 700  000 syrische Flüchtlinge aufgenommen, laut jordanischer Regierung sind es gar 1,3 Millionen. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl würde das für Deutschland rund acht Millionen Flüchtlinge bedeuten – unvorstellbar.

Ziel des internationalen Workshops an der Elbe ist es nun, die sozialen Auswirkungen heutiger Fluchtbewegungen zu analysieren, um ihnen besser beikommen zu können. Oder wie Peter Rudolph von der Fachhochschule Magdeburg-Stendal sagt, „die Migration wissenschaftlich besser in den Griff zu bekommen“.

Praktisch tun sich Wissenschaftler-Team, Studenten und einige am Projekt beteiligte Migranten im Sozialamt, beim Familienverband sowie in der Landesaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Magdeburg um. Soziologiestudent Tawfeek kann seine praktischen Erfahrungen einfließen lassen.

Für alles einen Antrag

Eine der ersten lautete: „Alles funktioniert in Deutschland mit Anträgen!“ Doch Dokumente haben ihren Nutzen: Bis 2022 ist sein Aufenthaltsrecht in Deutschland verbrieft.

Tawfeek Alsheik will die Zeit nutzen und den Abschluss an der Hochschule machen. Dabei war der erste Eindruck von Magdeburg für ihn ernüchternd. Fuß fasste der Syrer, als er Aufnahme bei einer deutschen Familie in Neuenklitsche im Jerichower Land fand. Und arbeiten ging als Hilfskraft bei einer Kunststofffirma in Premnitz. Dann folgte ein zweiter Anlauf in Magdeburg – beim Tag der offenen Tür an der Hochschule im Herbst 2018. „Ich war total begeistert“, sagt Tawfeek. Seither studiert er hier und kann sich vorstellen, danach als Sozialarbeiter zunächst zu bleiben: „Ich habe in Deutschland viel bekommen und will auch was zurückgeben.“ Rahim Hajji von der Hochschule Magdeburg-Stendal leitet das DAAD-Projekt. Für ihn ist Betreuung und sprachliche Förderung vom ersten Tag an das Eintrittsticket zur deutschen Gesellschaft. Sein Student Tawfeek Alsheik hat es offenkundig gelöst.