Magdeburg l Markus Söder, Jahrgang 1967, Handwerkerkind aus Nürnberg, seit 37 Jahren in der CSU, ist in der Pandemie zu einem der beliebtesten Politiker Deutschlands aufgestiegen. In einer Forsa-Umfrage aus der Vorwoche bescheinigten ihm 39 % der Befragten, ein geeigneter Bundeskanzler zu sein. Damit distanzierte der Bayer das CDU-Trio, das sich zur Vorsitzendenwahl gestellt hatte, um Längen. Friedrich Merz trauten 12 % die Kanzlerschaft zu, bei Armin Laschet waren es 9 Prozent und bei Norbert Röttgen 8 %.

Popularität eröffnet selten Chance

Diese noch vor Jahresfrist unverhoffte Popularität wird Markus Söder nicht lächelnd quittieren und zur Tagesordnung übergehen. Die würde die Bestallung eines CDU-Politikers für die Kanzlerkandiatur vorsehen. Söder mag öffentlich erzählen, was er will: die für einen CSU-Politiker seltene Chance der Spitzenkandidatur wird er sich nicht entgehen lassen wollen.

Wie man ein Machtziel erreicht, zeigte Markus Söder, als seinem Gegner Horst Seehofer das Amt des Ministerpräsidenten abjagte. Das war nach dem CSU-Ergebnis bei der Bundestagswahl 2017 mit rund 39 %, für bayerische Verhältnisse katastrophal. Zeit für Söder, die jahrelange Lauerposition aufzugeben und mit kräftigem Ellenbogen-Einsatz um den Chefposten in der Staatskanzlei zu kämpfen.

Seehofer hatte zwar seinen Rücktritt angekündigt, wollte aber statt Söder die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner als Nachfolgerin sehen. Keine Chance: Söder räumte komplett ab: Er wurde vom Landtag zum Ministerpräsidenten, von der CSU zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl und zum Parteichef gewählt. Seehofer war düpiert, Aigner und übrige Konkurrenz blieben auf der Strecke. Trotz charakterlicher Schwächen, die Söder nachgesagt wurden.

Eine von ihm geführte Koalition mit den Freien Wählern war das Ergebnis der Bayern-Wahl 2018. In dieser Konstellation regiert er bis heute.

Zwischen sozial und konservativ

Söder startete beruflich als Journalist beim Bayerischen Rundfunk, schwenkt aber schnell auf die politische Karriere um. 1994 zog der Franke – in seiner Jugend ein glühender Fan von Franz Josef Strauß – in den bayerischen Landtag ein. Bevor er seit 2008 mit verschiedenen Ministerämtern betraut wurde, absolvierte er von 2003 bis 2007 als CSU-Generalsekretär den Bayern-typischen Grundkurs für höhere Weihen.

Machtbewusst und durchsetzungsstark – manche sagen auch durchtrieben – hat Söder die bisherigen politischen Höhen erklommen. Entgegen kam bei häufigen Schwenks in Einzelfragen die Bandbreite der CSU zwischen sozial und christlich-konservativ. So hat er es in der Rolle des Landesvaters zu einiger Popularität gebracht. Und seine Wenigkeit unter Beweis gestellt: Bei Themen wie Islam, Integration und Migration ist frühere Schärfe milden Tönen gewichen.

Weit über die Grenzen Bayerns hinaus anerkannt wird Söders klarer Kurs in der Corona-Bekämpfung. Er scheut sich nicht, die Zügel im Sinne der Volksgesundheit nötigenfalls immer straffer anzuziehen und den Bayern FFP2-Masken in der Öffentlichkeit zu verordnen. Damit hebt sich der Münchner Ministerpräsident deutlich vom Lavieren anderer Landesfürsten ab.

Armin Laschet etwa, Regent in Nordrhein-Westfalen, ist seit Beginn der Pandemie der Konterpart zu Söder. Flexibler, geschmeidiger will er dem Virus den Garaus machen. Inzwischen ist bekannt, dass an beiden Varianten etwas dran ist.

Laschet wurde 1961 in Aachen in einer katholischen Bergmannsfamilie geboren. Er studierte Jura und absolvierte eine Journalistenausbildung – und arbeitete – eine Parallele zu Söder – zeitweilig beim Bayerischen Rundfunk. Der Rheinländer muss damit leben, häufig unterschätzt zu werden. Seine Bilanz in NRW ist allerdings beeindruckend: Laschet war Europaabgeordneter und stieg 2005 als Familienminister in die von Jürgen Rüttgers geführte Landesregierung ein.

Defizite im Ostverständnis

CDU-Landesvorsitzender wurde er 2012. Seine Partei gewann die Landtagswahl 2017, Laschet schmiedete ein schwarz-gelbes Regierungsbündnis. Die von Söder neuerdings gepflegte Nähe zu den Grünen ist ihm fremd.

Laschets politisches Interesse gilt neben der eigenen Heimat dem Nachbarn Frankreich. Der Aachener ist nebenbei offizieller Bevollmächtigter Deutschlands für kulturelle Beziehungen zu Frankreich. Sein Blick wird sich weiten müssen, wenn es klappen sollte mit Kanzerkandidatur und Wahlerfolg im Bund.

Im Ost-Verständnis sind deutliche Defizite erkennbar, was die ostdeutschen CDU-Verbände ihm gleich nach der Wahl unter die Nase gerieben haben. Laschet hat es bisher verstanden, bei allen Einheitsbekundungen die Interessen Nordrhein-Westfalens in den Mittelpunkt zu stellen. Die Vereinbarungen zum gesamtdeutschen Kohleausstieg stellt Laschet gern als gemeinsames Werk dar. Er sagt aber nicht, dass er knallhart verhandelt hat, damit Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen ja nicht zu üppig entschädigt werden.

Die Sprachregelung bei der Union zur Kandidatenfrage lautet nun: Nach den Wahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg am 14. März sehen wir klarer. Bis dahin sind es noch knapp zwei Monate, in denen Markus Söder und Armin Laschet ihre Pflöcke in die politische Landschaft einrammen können.

Söder ist derzeit im Vorteil. Er kann auf satte Umfragewerte bauen und im Freistaat Bayern mit seinem strammen Anti-Corona-Kurs durchregieren. Laschet muss sich seiner neuen Position als CDU-Vorsitzender würdig erweisen und zugleich das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen halbwegs achtbar durch die Corona-Pandemie bringen.

Die neue Herzlichkeit zwischen den Schwesterparteien und ihren Protagonisten kann sich bei der Kandidatenkür schnell verflüchtigen. Wie heißt es doch? „Nichts inte-griert in der CSU so sehr, wie wenn’s gegen die CDU geht.“ Dies sprach Markus Söder 1997.