Selige und Heilige

Selige und Heilige werden in der katholischen Kirche als Vorbilder christlichen Lebens verehrt. Die Seligsprechung erlaubt die offizielle Verehrung eines Verstorbenen in einer bestimmten Region, die Heiligsprechung dehnt diese Verehrung auf die gesamte katholische Weltkirche aus. Damit jemand heiliggesprochen werden kann, muss die Seligsprechung vorausgehen.

Den Antrag zur Seligsprechung stellt der örtliche Bischof. Ein Kirchengericht prüft dann, ob die Person tugendhaft gelebt hat, im „Rufe der Heiligkeit“ gestanden, ein Martyrium erlitten oder Wunder bewirkt hat. Nach dem Urteil des Gerichts prüft die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse im Vatikan die Unterlagen und gibt eine Empfehlung an den Papst, der dann entscheidet.

Für die Heiligsprechung ist ein auf den Seligen zurückzuführendes Wunder erforderlich (außer bei Märtyrern). Dieses Wunder ist in einem getrennten Verfahren zu belegen. Zu den bekanntesten Heiligen zählen Franz von Assisi, Hildegard von Bingen und Papst Johannes Paul II.

Rom (dpa) l Knapp 20 Jahre nach ihrem Tod will Papst Franziskus die Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa heiligsprechen. Der Pontifex billigte nach Vatikan-Angaben vom Freitag ein Dokument, in dem der indischen Nonne albanischer Herkunft das dafür notwendige zweite Wunder zugesprochen wird. Dabei soll es sich um die unerklärliche Heilung eines damals 35 Jahre alten Mannes 2008 in Brasilien handeln, der unter einem bösartigen Gehirntumor litt und im Sterben lag.

Mutter Teresa, die von vielen schon zu Lebzeiten als Heilige verehrt wurde, war bereits 2003 vor 300 000 Gläubigen in Rom in einem der kürzesten Verfahren der Geschichte von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen worden. Nur zwölf Jahre später ist nach der Entscheidung des Papstes der Weg für ihre Heiligsprechung frei.

Die Zeremonie wird wahrscheinlich im kommenden Jahr stattfinden, das Datum muss noch bei einem Treffen des Papstes mit den Kardinälen (Konsistorium) festgelegt werden. Die katholische Zeitung „Avvenire“ berichtete, sie solle am 4. September als ein Höhepunkt des derzeit laufenden außerordentlichen Heiligen Jahres in Rom erfolgen.

Friedensnobelpreis

Ihr Einsatz für die Armen machte die 1910 als Tochter albanischer Katholiken geborene Mutter Teresa weltbekannt. 1979 erhielt sie für ihr Engagement den Friedensnobelpreis. Die Ordensfrau hatte 1950 im indischen Kolkata ihren Orden „Missionarinnen der Nächstenliebe“ gegründet, weil die Armut sie dort erschüttert hatte.

Papst Franziskus, der den Einsatz für die Armen zu einer Priorität seines Pontifikats gemacht hat, gilt als großer Fan von Mutter Teresa. Die beiden hatten sich 1994 im Vatikan kennengelernt. Er habe ihre Kraft und Entschiedenheit ihrer Wortmeldungen bewundert, sagte Franziskus später. „Sie sagte immer das, was sie sagen wollte.“

Die Zahl der Heiligsprechungen in der katholischen Kirche hat sich in jüngster Zeit extrem erhöht. Während Johannes Paul II. in seinem mehr als 25 Jahre langen Pontifikat 482 Selige heiliggesprochen hat, kommt Franziskus seit seiner Wahl im März 2013 schon auf insgesamt 838 neue Heilige, darunter zuletzt auch Papst Johannes Paul II.

Das für die Heiligsprechung notwendige Wunder soll Mutter Teresa 2008 mit der Heilung eines todkranken Mannes vollbracht haben. Laut „Avvenire“ lag der Brasilianer im Sterben, als seine Frau Mutter Teresa im Gebet um Hilfe bat. Der Mann wurde geheilt, die medizinischen Gutachter der zuständigen Kongregation im Vatikan beurteilten das nun als wissenschaftlich nicht erklärbar. Nach Ansicht der katholischen Kirche sind Wunder durch Selige oder Heilige auch nach deren Tod möglich. Mutter Teresa war 1997 gestorben.

Freude in Indien

In Indien löste die Entscheidung des Papstes große Freude aus. „Die Ankündigung wurde mit großer Freude und Dankbarkeit entgegengenommen“, sagte die Sprecherin des Ordens von Mutter Teresa, Schwester Christie, der Deutschen Presse-Agentur. „Wir sind sehr aufgeregt und glücklich.“ Zur geplanten Heiligsprechung im kommenden Jahr werden Hunderttausende Pilger in Rom erwartet.