Berlin (dpa) l Die größte Sorge der Deutschen in der Debatte um den Diesel ist einer Umfrage zufolge die schlechte Luft in den Städten. 48 Prozent der Bundesbürger zählen die Belastung mit gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid (NO₂) zu den größten Problemen, die durch den teilweise überhöhten Schadstoffausstoß von Dieselautos entstehen. Das hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ermittelt.

Drohende Fahrverbote zählen dagegen nur für 37 Prozent zu den schwersten Problemen, der Wertverlust älterer Diesel für 32 Prozent. Den Verlust von Arbeitsplätzen in der Autobranche sehen sogar nur 17 Prozent als besonders großes Problem. Die Befragten konnten zwei Antworten auswählen. Sechs Prozent gaben an, in diesem Zusammenhang keine Probleme zu sehen. Zugleich gaben fast drei Viertel (72 Prozent) an, sie hätten kein Vertrauen, dass sich Regierung und Auto-branche auf einen Kompromiss einigen, der Fahrverbote weitestgehend verhindern könnte.

Fahrverbote in Großstädten

Die Bundesregierung hatte Anfang Oktober ein Maßnahmen-Paket beschlossen, das Fahrverbote vermeiden soll. Es sieht höhere Preisnachlässe der Hersteller vor, wenn Kunden alte Diesel in Zahlung geben und sauberere Autos kaufen. Daneben sind Hardware-Nachrüstungen geplant. Dafür fehlen aber grundlegende Zusagen der Autohersteller etwa zur Finanzierung. In vielen Städten werden Schadstoff-Grenzwerte für die Luft nicht eingehalten, wofür Diesel-Abgase als Hauptursache gelten. Gerichte haben etwa für Stuttgart, Frankfurt am Main und Berlin Fahrverbote für ältere Diesel angeordnet. Für Mainz steht am Mittwoch eine Gerichtsverhandlung an.

Dass Merkel entschieden genug für die Interessen der Dieselfahrer eintrete, finden laut Umfrage nur drei Prozent „voll und ganz“, neun Prozent sagen zumindest „eher ja“. Dagegen gaben 26 Prozent an, Merkel trete „eher nicht“ entschieden genug für Dieselfahrer ein – 39 Prozent finden das sogar „überhaupt nicht“. Nur etwas besser schneiden die zuständigen Fachminister ab – Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Die Daten beruhen auf einer Umfrage, an der 2043 Menschen zwischen dem 17. und 19. Oktober teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Mehrheit für Nachrüstungen

Erhebliche Unterschiede werden bei der Einschätzung der geplanten Maßnahmen der Bundesregierung deutlich. Technische Nachrüstungen, also Umbauten an Motoren, sind für gut zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten „eher sinnvoll“ oder „sehr sinnvoll“.

Nur acht Prozent halten Hardware-Nachrüstungen für „überhaupt nicht sinnvoll“, elf Prozent für „eher nicht sinnvoll“. Anders fällt das Stimmungsbild bei Extra-Rabatten der Hersteller aus. Für tendenziell sinnvoll halten sie 37 Prozent, für tendenziell nicht sinnvoll 50 Prozent.