Magdeburg l Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) plant in den kommenden Tagen Kontakt mit dem Auswärtigen Amt in Berlin aufnehmen, um weitere Hintergründe zur Einbestellung des deutschen Botschafters in der Türkei wegen einer Handreichung für Lehrer in Sachsen-Anhalt zu erfahren. Das sagte Dorgerloh am Sonntag der Volksstimme.

Wie am Wochenende bekannt wurde, soll am 19. Februar der deutsche Botschafter in das türkische Außenministerium in Ankara zitiert worden sein. Das schrieb der „Spiegel“. Der Diplomat habe sich dort für eine Handreichung für Lehrer in Sachsen-Anhalt zum Thema Genozid rechtfertigen müssen. In dem Papier nimmt der Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs – den Ankara bestreitet – breiten Raum ein. Außerdem sei darin eine Karikatur veröffentlicht, die Erdogan auf Totenschädeln gehend zeige.

Eine Bewertung des Falls wollte Dorgerloh am Sonntag nicht vornehmen. Er erklärte aber: „Wir tun gut daran, zu benennen, was war und was wahr ist. Ich kann nur dafür werben, sich der Geschichte mit großer Offenheit zu stellen und alle Fakten auf den Tisch zu legen.“ Er selbst habe Ende des vergangenen Jahres dem türkischen Generalkonsul in Hannover das Papier vorgestellt. Die Reaktion darauf sei verhalten gewesen, so Dorgerloh.

Die Handreichung „Genozid als Thema schulischen Unterrichts“ (Foto) sei vom Land im Dezember herausgegeben worden. Darin spiele der Genozid an den Armeniern eine besondere Rolle. Das Material soll Lehrkräfte dazu anregen, das Thema verstärkt im Unterricht zu behandeln. Auf diese Weise könnten sich Schülerinnen und Schüler insbesondere mit den Ursachen auseinandersetzen, die in komplexen gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Zusammenhängen zu suchen sind und Folgen haben, die bis in die Gegenwart reichen. „Wir haben, das Thema ausgewogen dargestellt und verschiedene Perspektiven beleuchtet damit sich die Schüler ihr eigenes Urteil bilden können“, erläuterte Dorgerloh am Sonntag.

Sachsen-Anhalt und Armenien verbindet seit dem vergangenen Jahr eine Partnerschaft. Bei einem Besuch Dorgerlohs in dem Kaukasus-Staat wurde eine gemeinsamen Erklärung über die weitere Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung und Kultur unterzeichnet. Während seiner Armenien-Visite hatte Dorgerloh mit einer Kranzniederlegung auch der Opfer des Völkermordes an den Armeniern vor 100 Jahren gedacht.