Wie ist das Verhältnis der Briten zur Queen?

Sir Sebastian Wood: Sie ist seit September letzten Jahres die am längsten regierende Monarchin. Sie ist schon seit 63 Jahren Königin. Deswegen haben die meisten Leute den Eindruck, dass diese Frau einen durch das ganze Leben begleitet hat. Wenn es uns gut oder schlecht geht, gibt es immer eine Rede oder Botschaft von der Königin, deshalb hat man das Gefühl, dass sie immer dabei ist. Man hat auch den Eindruck, dass sie von einem sehr starken Pflichtbewusstsein geprägt ist. Deswegen genießt sie den tiefen Respekt der Bevölkerung.

Von Dokus bis zu den bunten Blättern: Warum gibt es in Deutschland so ein Interesse an den Royals? Oder ist das nur ein Medienphänomen?

Ich glaube, dass es auch in der Wirklichkeit da ist. Es hat damit zu tun, dass Deutschland keine königliche Familie, aber enge historische Verbindungen mit der Familie der Königin hat. Da sie recht kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Königin geworden ist, unterstreichen ihre sieben Besuche auch ein bisschen die Normalisierung Deutschlands nach dem Krieg. Der erste Staatsbesuch der Königin 1965 war ein wichtiger Moment für uns, aber auch für Deutschland. Ein bedeutungsvoller Moment der Versöhnung.

Wie wird der Geburtstag der Queen in Berlin gefeiert?

Natürlich ist der 90. ein sehr wichtiger Geburtstag – und deswegen müssen wir ihn besonders feiern. Wir werden eine traditionelle Gartenparty in Grunewald haben und mehr als 1000 Gäste in die Residenz einladen. Wir werden auch in anderen Städten in Deutschland ähnliche Veranstaltungen abhalten – insgesamt sieben Partys.

Sie sind seit September 2015 in Berlin. Welches Klischee über Deutschland stimmt nicht?

Dass Deutsche keinen Sinn für Humor haben, finde ich völlig falsch. Ich habe seit meiner Ankunft in Berlin sehr viel gelacht. Ich sehe die „Heute-Show“ sehr gern, obwohl sie ab und zu die Briten und auch mich persönlich verspottet hat. Es gibt viel Humor in diesem Land.

Was mögen Sie an Berlin?

Das kulturelle Leben ist super. Obwohl es viel weniger Leute als London hat, gibt es sehr viel zu sehen und zu hören. Ich habe Musik besonders gern. Ich bin mit meiner Frau oft in der Philharmonie. Und die Jazz-Szene ist toll: Es ist ein bisschen wie in London vor drei oder vier Jahrzehnten, als es dort noch möglich war, kostenlos die besten Jazzmusiker der Welt zu hören. In Berlin ist das immer noch möglich, in London nicht, weil es so teuer geworden ist.