Die Sinus-Studie

Seit 2008 untersucht die Sinus-Studie alle vier Jahre, wie die 14- bis 17-Jährigen in Deutschland „ticken“. Dazu führen Jugendforscher lange Interviews mit 72 Jugendlichen zu ausgewählten Themen. (dpa)

Berlin (dpa) l Rebellion war vorgestern: Teenager in Deutschland suchen der neuen Sinus-Jugendstudie zufolge den engen Schulterschluss mit der Elterngeneration. Für soziale Absicherung nähmen Teenager eine noch größere Nähe zur Welt der Erwachsenen in Kauf als die „Generation Golf“ vor ihnen, interpretiert Jugendforscher Klaus Hurrelmann das Ergebnis. „Das geht schon in Richtung Überanpassung.“

Hurrelmann schrieb das Vorwort zu der Untersuchung, die Sozialwissenschaftler gestern in Berlin vorstellten. Überrascht hat die Forscher die Toleranz der jungen Generation – von Zuwanderung bis Religion. „Die Akzeptanz von Vielfalt nimmt zu“, folgert Studienautor Marc Calmbach.

Forscher werten den ungewöhnlichen Kuschelkurs der Jugendlichen, den es so seit der Nachkriegszeit nicht mehr gab, nicht als Bequemlichkeit. Sie deuten die spürbare Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit vielmehr als eine Reaktion auf Wirtschaftskrisen, Terrorgefahr und eine unübersichtlichere, globalisierte Welt.

Überrascht hat die Wissenschaftler der ausgeprägte Mainstream in der jungen Generation. Viele Teenager wollen sein „wie alle“. Auffällige Szene- und Subkulturen sind verschwunden.

Ausgewählte Ergebnisse der Studie:

Zuwanderung: Toleranz wird im Ergebnis in fast allen Jugendmilieus groß geschrieben. Anders als in der Welt der Erwachsenen ist die Sorge vor Zuwanderung kein großes Thema, Teenager zeigten eher Mitgefühl mit Flüchtlingen. Die Wissenschaftler erklären sich die Offenheit auch mit der multi-ethnischen Wirklichkeit, in der viele Jugendliche heute aufwachsen.

Werte: Oben auf der Prioritätenliste stehen Gemeinschaft, Familie, Sicherheit und Wohlstand. Dazu kommen Freiheit, Toleranz und soziale Werte. Für die Planbarkeit von Leben und Karriere nehmen Jugendliche klassische preußische Tugenden wie Pflichterfüllung in Kauf. Was nicht heißt, dass sie auf Ich-Fixierung, Spannung, Spaß und Risiko bis zur Ekstase verzichten. „Hart feiern, aber gute Noten“, lautet ein Credo.

Digitale Welt: Für Teenager gibt es kein Dasein ohne Internet und Smartphone. Ohne soziale Medien drohe Ausgrenzung, lautet ein Fazit. Die bedingungslose Faszination aber beginnt zu bröckeln: Zum ersten Mal wächst eine Minderheit, die sich der digitalen Dynamik mit dem Wunsch nach Entschleunigung zeitweise entziehen will. „Die Jugendlichen sind bestens mit Geräten ausgestattet und wunschlos glücklich“, sagt Calmbach.

Liebe: Es gibt einen breiten Konsens, dass Vertrauen, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit zentrale Voraussetzungen für eine Partnerschaft sind. Der große Wunsch ist eine stabile Beziehung bis spätestens Mitte 30. Auch der Wunsch nach eigener Familie ist früh da – oft aber gekoppelt an einen sicheren Job und guten Lebensstandard.

Die Studie gibt es hier zum Download.

Einen Blog zur Studie gibt es hier.