Magdeburg/Santo Domingo l Reiseveranstalter und die Lufthansa haben mit Hilfe der Bundesregierung seit Montag 96.000 gestrandete Deutsche wegen der Corona-Krise aus dem Ausland zurückgeholt. Dafür seien etwa 100 Sonderflüge organisiert worden, sagte die Sprecherin des Auswärtigen Amts, Maria Adebahr, gestern in Berlin. Die Operation "Luftbrücke" ist die größte Rückholaktion in der Geschichte der Bundesrepublik. Weiterhin warten aber Tausende Touristen auf ihren Rückflug. Einer von ihnen ist Benedict Becker.

Der gebürtige Wernigeröder und Wahl-Berliner ist derzeit mit zwei Freunden in Santo Domingo. In der Hauptstadt der Dominikanischen Republik sollte das Reise-Abenteuer – drei Monate mit dem Rucksack die Karibik erkunden– erst richtig losgehen. Dann erreichte die Corona-Krise die USA, die Fähre nach Puerto Rico wurde gecancelt. Statt der Sorge, am Abend die Badehose vom weißen Karibiksand zu befreien, sitzen alle drei nun in einer Airbnb-Wohnung und warten auf ihren Rückflug.

Jeden Tag heben Flieger ab

Am Dienstag waren Becker und seine Freunde bei der deutschen Botschaft, trugen sich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts ein, auch zu der Airline Condor nahmen sie Kontakt auf. Nach der Registrierung für die Passagierliste bei der Botschaft heißt es nun warten. Sobald Becker und seine Freunde für einen Flug vorgesehen sind, werden sie kurzfristig per E-Mail informiert. „Ich gehe davon aus, dass alle deutschen Touristen bis Anfang nächster Woche ausgeflogen werden“, sagte Volker Pellet, deutscher Botschafter in der Dominikanischen Republik, am Freitag telefonisch gegenüber der Volksstimme. Schätzungsweise seien derzeit noch rund 1000 bis 2000 deutsche Touristen in dem Karibikstaat.(Stand: 20. März)

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Täglich hebt ein Airbus, angefordert von der Deutschen Bundesregierung im Rahmen des Rückholprogramms, von Punta Cana nach Deutschland ab. Zuletzt am Freitagabend, an Bord: 315 deutsche Touristen. Zusätzlich organisieren zahlreiche Reiseveranstalter eigene Flüge für gestrandete Touristen.

Becker hat vor Ort Kontakt zu deutschen Auswanderern. Die wollen nicht ausreisen, sehen dafür aber ganz anderen Problemen entgegen. „Sie fürchten, dass es zu Aufständen kommt", berichtet Becker. "Viele Jobs fallen weg und Rücklagen haben die Menschen hier kaum."

Die Corona-Krise trifft auch den Karibikstaat, dessen Lebensader der Tourismus ist, schwer. In seiner Rede an die Nation kündigte Regierungspräsident Danilo Medina Dienstagnacht bereits den nationalen Notstand an, gestern wurde er offiziell ausgerufen. Ähnlich wie in Deutschland, sind derzeit nur Supermärkte, Tankstellen, Apotheken und Märkte geöffnet – Schulen und Universitäten bleiben bis 13. April vorerst geschlossen. „In einigen Banken wurde das Bargeld, das man abholen kann, bereits auf 2000 Peso limitiert“, erzählt Becker, der gestern mit seinen Freunden schnell noch die umgerechnet rund 35 Euro für Einkäufe abholte.

Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, erstellte Becker eine Facebook-Gruppe unter dem Namen „Deutsche Gestrandet DomRep Covid 19“. „So können wir uns mit anderen Deutschen austauschen und gegenseitig informieren.“ Unsicherheit ist da – aber keine Angst. „Ich bin einfach nur dankbar für die einmalige Aktion, die mit der Operation ,Luftbrücke‘ auf die Beine gestellt wurde“, sagt der Berliner. Man könne nicht erwarten, dass jeder Tourist jetzt einen persönlichen Ansprechpartner bei der Botschaft bekommt. „Alle Beteiligten, ob Botschaft oder Airline, leisten echt bemerkenswerte Arbeit.“

Weitere Informationen zum Rückholprogramm "Luftbrücke" finden deutsche Touristen auf der Internetseite des Auswärtigen Amts.