Lebanon (dpa) l Mit süßen Aromen versetzte Liquids sind ein Hauptgrund dafür, dass junge Menschen zur E-Zigarette greifen. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie des US-amerikanischen Dartmouth College, deren Ergebnisse im Fachblatt „Public Health Reports“ veröffentlicht sind. Den Autoren der Untersuchung macht das aus zwei Gründen Sorge: Zum einen können die süßlich schmeckenden Dampf-Zigaretten eine wachsende Zahl von Jugendlichen an Nikotin gewöhnen. Zum anderen mehren sich die Hinweise darauf, dass die Aromastoffe selbst gesundheitsschädlich sind.

Das Team um Samir Soneji vom Dartmouth College in Lebanon (US-Staat New Hampshire) wollte nun herausfinden, welche Altersgruppen zu welcher Art von E-Zigaretten greift und wie sich die Vorlieben bei den Geschmacksrichtungen auf den Konsum auswirken. Ein Ergebnis der repräsentativen Studie: „Die Verfügbarkeit ansprechender Aromen für E-Zigaretten wog als Grund für das Dampfen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen schwerer als bei älteren Erwachsenen“, resümiert Soneji. Der Wissenschaftler beschreibt, dass Teenager (12 bis 17 Jahre) und junge Erwachsene (18 bis 24 Jahre) mit höherer Wahrscheinlichkeit als ältere Menschen E-Zigaretten konsumieren, wenn diese nach Früchten oder Süßigkeiten schmeckten. 78 Prozent der Jugendlichen und gar 90 Prozent der jungen Erwachsenen gaben den Geschmack als Grund für ihr Dampfen an.

Gefährliche Chemikalien

Die große Beliebtheit der süßen Aromastoffe unter Jugendlichen sei deswegen problematisch, weil Studien nahelegten, dass diese wegen der enthaltenen Chemikalien besonders gesundheitsschädlich seien. So beeinträchtigten viele der üblichen Inhaltsstoffe die Lungenfunktion und führten zu Entzündungen auf zellulärer Ebene sowie zu Reizungen und Erkrankungen der Atemwege. Die Autoren plädieren nun für differenzierte Regeln für E-Zigaretten: „Strengere Bestimmungen oder gar ein Verbot von aromatisierten E-Zigaretten, die nach Früchten oder Süßigkeiten schmecken, könnten zwei Ziele erreichen“, fasst Samir Soneji zusammen.

In den USA warnt die Gesundheitsbehörde mittlerweile vor einer Epidemie des Dampfens: So sei die Zahl der Konsumenten in der Mittel- und Oberstufe innerhalb eines Jahres um 1,5 Millionen angestiegen. Und in Deutschland? Wie eine Umfrage im Auftrag des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) ergab, probierten auch hierzulande immer mehr Jugendliche E-Zigaretten. Zwischen 2014 und 2018 habe sich der Anteil der 16- bis 29-Jährigen, die jemals an einem Verdampfer gezogen hätten, von 11 auf 20 Prozent fast verdoppelt.

Der regelmäßige Konsum sei zwar noch selten, aber dennoch problematisch, da E-Zigaretten einen Einstieg ins Rauchen bedeuten können. Diesen Zusammenhang legt auch eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nahe: Jugendliche, die dampfen, neigen stärker dazu, Tabakzigaretten auszuprobieren. Das errechnete Risiko war für die „E-Zigaretten-Probierer“ etwa zweimal so hoch wie für diejenigen, die nicht gedampft hatten.