Göttingen (dpa) l Die Tafeln in Niedersachsen und Bremen wollen mehr junge Leute als Ehrenamtliche für das Verteilen von Lebensmitteln an Bedürftige gewinnen. Lange Zeit sei eine aktive Suche nach jüngeren Helfern gar nicht notwendig gewesen, sagte Moritz Wiethaup, Geschäftsführer der Tafel Göttingen. "Wir haben aber irgendwann festgestellt, welches Potenzial ohne die jungen Menschen liegen bleibt." Die Gruppe Junge Tafel (JuTa) Göttingen existiert seit vier Jahren, sie ist auch in den sozialen Medien aktiv.

Die Zahl der Tafel-Kunden in Niedersachsen und Bremen ist nach Angaben des Landesverbandes zwischen 2018 und 2019 um zehn Prozent gestiegen. 16.000 Frauen und Männer engagieren sich bei den 106 Tafeln in beiden Ländern, 90 Prozent von ihnen ehrenamtlich.

Sonst im Müll

Die Tafeln sammeln bei Produzenten, Lebensmittelhandel oder Veranstaltungen überschüssige aber noch einwandfreie Lebensmittel ein, die sonst im Müll landen würden und verteilen sie kostenlos oder zu einem symbolischen Betrag an bedürftige Menschen.

Bei einer Mitgliederversammlung vor zwei Monaten hatten die niedersächsischen Tafeln beschlossen, die Jugendarbeit zu stärken. Zurzeit sind nur circa zwei Prozent der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer jünger als 30 Jahre, wie Landeschef Manfred Jabs sagte. Vorreiter für gelingende Jugendarbeit ist Jabs zufolge die Göttinger Tafel. Die Mitglieder der JuTa Göttingen engagieren sich auch über die Tafel hinaus sozial. Die Gruppe sucht unter anderem gezielt an der Universität nach Helfern.

Gemischte Altersgruppe

Alina Seiler engagiert sich seit 2017 ehrenamtlich bei der JuTa. Sie ist zum Studieren nach Göttingen gekommen und schätzt an der Arbeit besonders, dass sie körperlich anpacken kann. "Oft kann man sich gar nicht praktisch einbringen. Bei der Tafel bin ich näher dran, auch im Kontakt mit den Kunden", sagte sie. Die anderen JuTa-Mitglieder erleichterten die Eingewöhnung in Team. Die gemischten Altersgruppen sorgen für eine besondere Atmosphäre bei der Tafel Göttingen. Außerdem bringe dies neue Ideen. So wurden beispielsweise in diesem Jahr an der Universität neben den Geschenken für Kinder, auch für die erwachsenen Tafel-Kunden Geschenke gesammelt.

"Die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung ist traditionell gerade in der Weihnachtszeit sehr hoch", sagte der Leiter der Hannöverschen Tafel, Horst Gora. In Hannover gebe es zur Zeit genügend helfende Hände. "Die Arbeit macht den Helfern Spaß", betonte er.

Nachfrage von Älteren

Bundesweit versorgen sich rund 1,65 Millionen Menschen sich bei einer der 940 Tafeln mit Lebensmitteln. Besonders groß sei die Nachfrage bei älteren Menschen, sagte kürzlich der Vorsitzende des Bundesverbandes der Tafeln, Jochen Brühl.

Die Zahl der Rentner sei innerhalb eines Jahres um 20 Prozent auf 430.000 gestiegen. Es koste viel Energie, Armut zu verstecken. Diese Kraft hätten ältere Menschen oft nicht mehr – "und kommen dann zu uns". Allerdings hätten viele Tafeln auch Angebote für ältere Menschen gestartet, etwa Seniorennachmittage. Dies habe möglicherweise die Hemmschwelle gesenkt und sei auch ein Beitrag gegen Alterseinsamkeit.