Berlin l Sagt der Arzt zum Patienten: „Ihre Krankheit ist hochansteckend. Wir verlegen Sie jetzt auf die Quarantänestation und dort bekommen sie dann nur noch Pfannkuchen und Spiegeleier zu essen.“ Fragt der Patient: „Und davon werde ich wieder gesund?“ Antwortet der Arzt: „Nein, aber das ist das Einzige, was sich unter der Tür durchschieben lässt.“ Lachen kann ansteckend sein. Das ist zwar schon lange bekannt, aber wie das Mitlachen nun im Detail im Gehirn abläuft, ist immer noch nicht hinreichend erforscht.

Fest steht, dass es sogenannte „Spiegelneuronen“ gibt, die aktiv sind, wenn wir sehen oder hören, wie andere Menschen lachen. Witzigerweise sind diese Nervenzellen aber auch dann aktiv, wenn wir selber lachen. Einige Experten sind nun der Ansicht, dass sich das Lachen der anderen in unserem Gehirn so nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes widerspiegelt, sondern dass wir auf diese Art und Weise auch dazu angeregt werden, selbst mitzulachen.

Lachen als Kommunikationsmittel

Der britische Psychologe Richard Wiseman von der University of Hertfordshire geht davon aus, dass dieses automatische und unbewusste Spiegeln bzw. Kopieren des Lachens und anderer Gefühlsäußerungen im Alltag dabei hilft festzustellen, was andere empfinden, und es so leichterfällt, uns in deren Lage zu versetzen und mit ihnen zu kommunizieren. „Das ist wichtig für den sozialen Zusammenhalt“, meint Wiseman. „Wenn in einer Gruppe von Menschen eine Person lächelt und die anderen den Gesichtsausdruck dieser Person nachahmen, werden alle heiterer.“

Die amerikanischen Psychologen Verlin Hinsz und Judith Tomhave von der North Dakota University haben dazu mit ihrem Team ein interessantes Experiment durchgeführt.

Der Versuchsaufbau war ganz simpel: In einem Supermarkt lächelte einer der Forscher einige der zufällig vorbeikommenden Passanten an. Aus einem Versteck heraus beobachteten die Wissenschaftler dann genau, wer zurücklächelte und wer nicht. Das Ergebnis: Etwa jeder Zweite erwiderte das Lächeln. Aber nicht nur leichtes Lächeln oder herzhaftes Lachen wirken mitreißend. Sogar regelrechte Lachkrämpfe können ansteckend sein.

Der vielleicht drastischste verbürgte Fall dürfte wohl die sogenannte Tanganjika-Lachepidemie sein. Am 30. Januar des Jahres 1962 begannen in einer Schule in Kashasha im afrikanischen Tanganjika (heute Tansania) drei Mädchen zu lachen - und konnten nicht wieder aufhören. Schon bald lachte die Mehrzahl der insgesamt 159 Schüler mit - und konnte ebenfalls nicht wieder aufhören. Die Schulleitung fand das damals gar nicht witzig und sah sich gezwungen, die Schule am 18. März des Jahres vorübergehend zu schließen, denn die Schüler lachten immer noch. Nachdem die Schule am 21. Mai wiedereröffnet wurde, begann das Ganze von vorn. Dieses Mal waren mehrere Dutzend Schüler betroffen.

Lachepidemie trotz Schulschließung

Ende Juni musste die Schule abermals geschlossen werden, da das kollektive Lachen einfach kein Ende nahm. Damit war das Problem allerdings keineswegs gelöst, denn zu Hause angekommen, wurde fröhlich weitergelacht. Auch in den Heimatorten der Schüler verbreitete sich die seltsame Lachepidemie nun. Hunderte Menschen lachten mit, bis schließlich die gesamte Region von den Lachanfällen angesteckt wurde.

So witzig es auch klingen mag: Wirklich lustig war das Ganze nicht. Die einzelnen Lachattacken führten zu regelrechten Lachkrämpfen, die mit Atemproblemen, Ohnmachtsgefühlen, Schmerzen und sogar Gewaltausbrüchen einhergingen. Die Betroffenen konnten einfach nicht wieder aufhören zu lachen, und zwar über Stunden und sogar Tage hinweg nicht. Nach kurzen Pausen begann sofort alles wieder von vorn. Nach Monaten des Lachens kam die seltsame Lachepidemie dann aber doch zum Erliegen und so konnte die Ursachenforschung einsetzen. Von Lebensmittelvergiftungen bis hin zur Luftverseuchung durch Atombombenexplosion wurde vielem nachgegangen. Doch die Experten fanden rein gar nichts, was für das ansteckende Lachen verantwortlich gewesen sein könnte.

Der texanische Linguist und Gelotologe Christian F. Hempelmann kommt in seiner Untersuchung der Ereignisse aus dem Jahre 2007 zu dem Schluss, dass es sich um eine stressinduzierte Massenhysterie gehandelt haben muss: „Das Lachen war ein typisches Symptom.“ Auch ein anderes krankhaftes Lachen ist ansteckend, wenn auch auf gänzlich andere Art und Weise.

Krankheit des "lachenden Todes"

„Kuru“ nennt das indigene Volk der Fore in Papua-Neuguinea diese Krankheit, was so viel wie „zittern“ oder auch „schütteln“ bedeutet. Besser bekannt ist die Krankheit aber als „lachender Tod“.

Im Gegensatz zu der Lachepidemie in Tanganjika kam es hier aber über Jahre hinweg zu Todesfällen. Bis in die 1950er Jahre hinein fielen jährlich einige Dutzend der insgesamt nur wenigen Tausend Menschen zählenden Fore dem „lachenden Tod“ zum Opfer. Zu den Symptomen zählen unter anderem ein wackeliger, schwankender Gang und starke Standunsicherheiten sowie im fortgeschrittenen Stadium ein unnatürliches Lachen. Wie sich später herausstellte, handelt es sich bei „Kuru“ um eine ansteckende Prionenkrankheit, die unter anderem das Gehirn der Opfer befällt. Da die Fore bis in die 1950er Jahre hinein Kannibalen waren, übertrug sich die Krankheit so von einem Menschen zum anderen. Nachdem der Kannibalismus 1954 verboten wurde, trat die Krankheit bei den Fore nicht mehr auf. Seitdem hat der Tod dort nichts mehr zu lachen.