München (dpa) l Wenige Tage vor dem meteorologischen Frühlingsanfang zieht eisige Kälte durch Deutschland. Am Montag sollen die Temperaturen örtlich auf minus 20 Grad sinken. Manche freuen sich über die Kältewelle, andere bekommen jetzt große Probleme.

Die Bauern: Bei den Landwirten herrscht keine Alarmstimmung – zumindest dort nicht, wo Schnee die Äcker bedeckt. „Die Schneedecke schützt die im Herbst ausgesäten Pflanzen vor Kahlfrost“, sagt die Pressesprecherin des Bayerischen Bauernverbands, Brigitte Scholz. Außerdem seien Minustemperaturen gut für die Bodenstrukturen und machten Schädlingen das Leben schwer.

Die Autofahrer: Der ADAC hat die Zahl seiner Pannenhelfer aufgestockt, denn: „Bei diesen Witterungsbedingungen erhöht sich erfahrungsgemäß das Pannenaufkommen“, erklärt der Autoclub. „Die häufigste Pannenursache im Winter ist eine entladene oder defekte Batterie.“

Die Feuerwehr: Bei klirrendem Frost können Wasserleitungen platzen. Feuerwehren und Stadtwerke appellieren daher an Hausbesitzer, ihre Wasserzähler und Hausinstallationen gegen Frost zu sichern. Kellerfenster sollten geschlossen bleiben.

Die Einzelhändler: Der Winterschlussverkauf ist vorbei und in den Geschäften hängt bereits die Frühjahrskollektion. Es droht also ein Schal- und Mützennotstand. Das Angebot sei zwar kleiner und man müsse ein wenig suchen, aber die Winterkleidung sei noch nicht komplett aus dem Sortiment.

Die Zootiere: Viele Tiere freuen sich über Kälte und Schnee. „Gerade die sibirischen Tiger verbringen ihre Tage sehr gerne draußen und sind bei kaltem Wetter deutlich aktiver als im Sommer“, erklärt Pressereferentin Lisa Reininger vom Münchner Zoo. Besondere Vorsicht gilt hingegen bei den Giraffen: „Glatteis ist für die Giraffen mit ihren langen Beinen durchaus gefährlich.“

Die Obdachlosen: In den vergangenen drei Wochen haben mehr Obdachlose als zuvor die Übernachtungsmöglichkeit in der Münchner Bayernkaserne genutzt. „Am 1. Februar hatten wir 406 Übernachtungsgäste in der Bayernkaserne. Am 20. Februar waren es 458 Personen, die über Nacht blieben“, berichtet Edith Petry vom Sozialreferat München.

Die Rettungskräfte: Die Wasserwacht rät davon ab, auf zugefrorene Seen zu gehen. „Trotz starker Kälte kann es sein, dass die Eisschicht nicht trägt, weil sich das Wasser darunter zu stark bewegt“, warnt Peter Astashenko vom Roten Kreuz.

Die Binnenschiffer: Längerer Dauerfrost behindert die Schifffahrt. „Da der Main-Donau-Kanal zum Teil gut 400 Meter hoch liegt und kaum Durchfluss hat, ist er empfindlich gegen eisige Temperaturen“, sagt der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Nürnberg, Guido Zander. Wenn der Kanal zufriert, steht zunächst ein Nachtfahrverbot an, tagsüber kämpfen Eisbrecher und Mitarbeiter des Amtes gegen das Eis. Wenn dieses aber zu dick ist, wird die Schifffahrt komplett gesperrt. Zuletzt war das Ende Januar 2017 nötig. Vier Wochen lang gab es für die Binnenschiffer kein Durchkommen.

Die Bauarbeiter: „Bestimmte Arbeiten wie etwa Betonieren oder äußere Verputzarbeiten können bei derartigen Minustemperaturen nicht mehr sinnvoll durchgeführt werden“, sagt Andreas Demharter, Geschäftsführer des Landesverbands Bayerischer Bauinnungen. Werden die Arbeiten dennoch fortgesetzt, sind zusätzliche Maßnahmen nötig – „und das ist mit hohen Mehrkosten verbunden“. Der Straßenbau ist derzeit generell eingeschränkt.