Job-Killer oder Wunderwerkzeug? Der Mindestlohn war eine der umstrittensten Reformen der schwarz-roten Bundesregierung. Als Job-Killer hat sich die Lohnuntergrenze bislang aber nicht erwiesen. Allerdings startete die Neuregelung in einer Zeit, in der sich der Arbeitsmarkt gut entwickelte und die Konjunktur brummte.

Nach einem Jahr hat die Debatte um den Mindestlohn an Emotionalität verloren, doch geführt wird sie immer noch. Gewinner sind Arbeitnehmer, die am Ende des Monats mehr Geld in der Tasche haben. Verlierer sind vor allem Langzeitarbeitslose und auch Flüchtlinge. Für diese Menschen ist die Integration in den Arbeitsmarkt durch den Mindestlohn erschwert worden. Mit einer Anhebung der Lohnuntergrenze auf neun Euro würde diese Hürde noch höher werden. Um möglichst viele Menschen in Arbeit zu bringen, muss die Politik vielmehr kleinere Korrekturen vornehmen, etwa weitere Ausnahmen für Praktika schaffen.