Magdeburg l Die Alternative zum eigenen Auto heißt Carsharing: Wenn Florian Ludwig nach dem Arbeitstag aus seiner Bürotür tritt, steht er neben einer Station des Carsharing-Anbieters Teilauto. Am Magdeburger Eiskellerplatz hat er die Wahl zwischen einem Kleinwagen und einem Cabriolet. Ludwig, 25 Jahre alt, entscheidet sich für den Flitzer ohne Dach. Den hat er vorher über eine App auf seinem Smartphone reserviert. Mit einer Chipkarte öffnet Ludwig das Fahrzeug. Den Schlüssel findet er im Handschuhfach. Florian Ludwig ist einer von 3200 Teilauto-Kunden in Sachsen-Anhalt.

Seit 1993 in Halle

1993 fiel der Startschuss für Teilauto in Halle. Ein Jahr zuvor hatten zehn Hallenser beschlossen, einen Skoda Favorit gemeinsam zu nutzen. Wenig später gründeten sie den Verein Teilauto. Heute nutzen rund 25 000 Kunden in 16 Städten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen das Carsharing von Teilauto. Aus dem Verein ist mittlerweile ein Unternehmen geworden. Die Zahl der Nutzer wächst seit Jahren. Noch 2012 waren in Sachsen-Anhalt 2000 Menschen bei Teilauto registriert, 2016 sind es bereits 3200. Florian Ludwig ist seit einem Jahr Kunde.

Etwa einmal in der Woche greift Ludwig auf das Carsharing-Angebot zurück. Er ist kein Vielfahrer, deswegen spart er sich die Grundgebühr. Dafür ist der Stundenpreis und die Kilometerpauschale bei ihm etwas höher. Für eine Stunde Autofahren bezahlt er zwischen 2,28 Euro und 3,24 Euro. Hinzu kommen bis zu 36 Cent pro Kilometer. Ludwig findet das gerechtfertigt. „Zu wissen, dass man ein Auto zur Verfügung hat, ohne eines zu besitzen, ist komfortabel“, sagt er. Monatlich gibt er rund 50 Euro für Carsharing aus. Vor allem Fahrten in die Stadt oder zum Einkaufen erledigt er mit den Autos.

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Zwei Konzepte

Zwei Varianten beim Carsharing gibt es: Beim stationsbasierten Carsharing mietet der Kunde das Auto bei einer festen Station. Nach seiner Tour muss er das Fahrzeug dort auch wieder abgeben. Das ist auch das Konzept von Teilauto. Verbreiteter ist das Free-floating: Dabei kann der Kunde auf Autos zurückgreifen, die im Stadtgebiet verteilt sind. Der Nutzer mietet das Auto, am Ende der Fahrt stellt er das Fahrzeug irgendwo in der Stadt wieder ab.

Deutschlandweit waren Anfang des Jahres 1,26 Millionen Menschen bei den Carsharing-Anbietern registriert. Das sind 220 000 Nutzer mehr als im Vorjahr. Während die Kundenzahl bei stationsunabhängigen Angeboten wie DriveNow oder Car2Go um knapp 26 Prozent zulegte, stieg die Zahl der Nutzer von stationsbasierten Diensten nur um gut 13 Prozent. „Wir sind noch immer ein Nischen-Produkt und wachsen nur langsam. In Sachsen-Anhalt gibt es noch viel Luft nach oben“, sagt Götz Meister, Teilauto-Regionalleiter für das Bundesland. Neben Teilauto mischen zwischen Altmark und Harz die Anbieter Flinkster, Ford-Carsharing, Jez!Mobil und „Autoteilen in Halberstadt e.V.“ im Markt mit. Die Platzhirsche fehlen aber. „Große Carsharing-Unternehmen würden für die Branche in Sachsen-Anhalt mehr Aufmerksamkeit generieren und die Nutzerzahlen in die Höhe treiben“, sagt Meister.

Elektroautos kaum gefragt

Hoffnungen setzt er zudem in das sogenannte Carsharing-Gesetz, das sich derzeit in Arbeit befindet. Kommunen könnten so künftig etwa Parkflächen speziell für Carsharing-Dienste deutlich einfacher ausweisen. „Carsharing wäre dann noch präsenter und würde näher an die Menschen heranrücken“, so Meister.

Elektromobilität hat im Carsharing hingegen bisher kaum Fuß gefasst. Nur etwa zehn Prozent der Fahrzeuge sind Elektroautos. Hindernisse sind, so Meister, vor allem die hohen Anschaffungskosten und die Bedürfnisse der Nutzer. Bei gemischten Flotten bevorzugten die Kunden Wagen mit Verbrennungsmotor.