Halle (dpa) l Arbeitsmarktexperten rechnen für das kommende Jahr in Sachsen-Anhalt nur noch mit einem geringen Jobwachstum und halten einen Anstieg der Arbeitslosigkeit für möglich. Von durchschnittlich rund 803.400 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten und damit 0,2 Prozent mehr als 2019 gehen die Wissenschaftler des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) einer Mitteilung von Freitag zufolge im sogenannten Mittelwertszenario aus. Für den Bundesschnitt prognostizieren die Wissenschaftler der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit ein Wachstum von 0,7 Prozent, für Ostdeutschland erwarten sie ein Jobplus von 0,8 Prozent.

"Eine anhaltende konjunkturelle Eintrübung könnte dazu führen, dass in bestimmten Branchen, wie etwa der Automobilwirtschaft oder im Maschinenbau weniger Jobs entstehen werden. Auch bei der Zeitarbeit gibt es im Moment rückläufige Beschäftigungszahlen", erklärte Per Kropp vom IAB-Regional in Halle. In Sachsen-Anhalt gebe es aber schlichtweg immer weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter, sagte der Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Kay Senius. Arbeitgeber fänden immer weniger neue Mitarbeiter.

Bei der Arbeitslosigkeit kämen die Rechenmodelle auf eine große Spanne von einem Anstieg um 12,5 Prozent bis zu einem Rückgang um 10,3 Prozent, hieß es weiter. Im Mittel prognostizierten die Experten 82.500 Menschen ohne Job im kommenden Jahr. Das entspreche einem Anstieg um 1,1 Prozent im Vergleich zum geschätzten Jahresdurchschnitt 2019 mit 81.600 Arbeitslosen. Deutschlandweit prognostizierten die Experten im Mittelwert einen minimalen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 0,1 Prozent.

Der Konjunkturverlauf lasse sich aber wegen zahlreicher weltwirtschaftlicher Unbekannten nur schwer einschätzen, hieß es. Senius erwartet für das kommende Jahr eher einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit. "Er wird allerdings weniger stark sein als in den vergangenen Jahren." Zur Begründung sagte Senius, der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt reagiere weniger stark auf konjunkturelle Schwankungen und der starke Einfluss der Demografie führe zu einer deutlichen Entlastungswirkung bei der Arbeitslosigkeit.