Stendal l Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen will einen Teil ihrer Bahnwagen in Stendal modernisieren lassen. Rund 170 Doppelstockwagen sollen die Mitarbeiter des Alstom-Werkes ab dem kommenden Jahr erneuern. Ein Großauftrag über 27 Millionen Euro, wie die Verkehrsgesellschaft gestern mitteilte.

Bei den Beschäftigten am Alstom-Standort dürfte das für Erleichterung sorgen. Im vergangenen Jahr hatte es Gerüchte über einen Stellenabbau gegeben. Aktuell beschäftigt der französische Bahnkonzern Alstom rund 200 Menschen in seinem Stendaler Bahnausbesserungswerk. Neueinstellungen sind nach Angaben von Alstom trotz des neuen Großauftrags nicht geplant.

Bei dem Großauftrag handelt es sich laut Auftraggeber um Wagenmodernisierungen bis ins Jahr 2026. Alstom soll die 15 bis 18 Jahre alten Bahnwagen umfassend erneuern. Insgesamt sollen die Mitarbeiter rund 24 000 neue Sitze verbauen, pro Wagen müssen sie den Angaben nach 1,8 Kilometer neue Kabel verlegen. Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen will die Wagen danach erneut mindestens 15 Jahre auf die Schiene schicken. Rollen sollen sie dann auf verschiedenen Strecken in ganz Niedersachsen, etwa als Wagen des Bahnunternehmens Metronom.

Erfreut über den Großauftrag ist man auch im Stendaler Rathaus. „Der Fortbestand des Alstom-Werks in der Hansestadt Stendal schien in den vergangenen Jahren zunehmend ungewiss“, bestätigt Stadtsprecher Armin Fischbach. „Doch seit einigen Wochen scheint ein frischer Wind durch die Werkshallen zu wehen“, sagt er. Mit Blick auf die Zukunft des Alstom-Standorts sei die Stadt nun „zuversichtlicher den je“.

Von Veränderung in den vergangenen Wochen im Stendaler Alstom-Werk spricht auch Karin Köppe. Sie ist dort Betriebsratsvorsitzende. Zuletzt sei bei der Belegschaft „Mut und Zuversicht“ zu spüren gewesen, sagt sie. Verantwortlich dafür sei auch der neue Werksleiter, berichtet Köppe. Er habe personelle Umstrukturierungen im Betrieb in die Wege geleitet, ohne dass Jobverluste drohten, sagt die Betriebsratsvorsitzende. Der neue Auftrag sei nun ein weiterer wichtiger Schritt, betont Köppe.

Der Alstom-Konzern unterhält in Deutschland sechs Standorte mit insgesamt rund 2500 Beschäftigten. Der neue Großauftrag ist nach Ansicht des Konzerns „ein wichtiges Zeichen für den Standort in Stendal“, wie eine Sprecherin gestern auf Nachfrage mitteilte. Dort seien die Mitarbeiter auf die Instandhaltung und Modernisierung von Bahnwagen spezialisiert.

Laut Auftraggeber soll das Material für den Umbau der Wagen vom ursprünglichen Hersteller kommen, dem kanadischen Unternehmen Bombardier. An Bombardier hatte die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen im vergangenen Jahr einen noch größeren Auftrag zur Modernisierung von 257 Fahrzeugen gegeben, darunter 37 Lokomotiven. Auftragsvolumen laut Verkehrsgesellschaft: 80 Millionen Euro.

Bombardier und Alstom waren bislang Konkurrenten, wollen aber fusionieren. Verträge sind bereits unterzeichnet, bis zum März des kommenden Jahres soll der Zusammenschluss perfekt sein, heißt es von Alstom. Das Material für den Umbau der rund 170 Bahnwagen in Stendal würde dann aus dem eigenen Konzern geliefert.