Magdeburg/Halle l  Die Corona-Krise verzögert nun die Anwerbung qualifizierter Arbeitnehmer aus Ländern außerhalb der EU. An der Bedeutung des Gesetzes ändert die Pandemie jedoch nichts. Geschäftsführer Jörg Biastoch von der Humanas-Pflege-Gruppe in Colbitz freut sich: „Wir werden das Fachkräfteeinwanderungsgesetz ganz gezielt nutzen, um neue Mitarbeiter zu gewinnen.“ Perspektivisch auch trotz der Corona-Krise, denn im Gesundheitssektor wird der Fachkräftebedarf weiter zunehmen. Das Unternehmen hat aktuell 350 Mitarbeiter und bietet an 14 Standorten in Sachsen-Anhalt ambulante und teilstationäre Pflege an. Biastoch will künftig pro Jahr ein halbes Dutzend Fachkräfte aus der Ukraine anwerben, denn deren Arbeit in der Pflege hat einen ausgezeichneten Ruf.

Fachkräftebedarf bleibt

Die Bundesagentur für Arbeit hatte vor der Corona-Krise errechnet, dass in Sachsen-Anhalt rund 80 000 Fachkräfte fehlen. „Das Virus hat den Arbeitsmarkt jedoch schlagartig verändert“, sagt Markus Behrens, Geschäftsführer der Bundesagentur für Arbeit Sachsen-Anhalt in Halle, „aufgrund der demografischen Entwicklung, die ja eine Konstante ist, gehen wir aber davon aus, dass wir nach einer Normalisierung der Situation weiterhin auf die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte angewiesen sind.“ Denn ein Viertel der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Sachsen-Anhalt ist über 55 Jahre alt. Und es rücken nicht genug Junge nach.

Das Gesetz soll qualifizierten Fachkräften mit beruflicher, nicht-akademischer Ausbildung aus Ländern außerhalb der EU ermöglichen, leichter als bisher nach Deutschland zu kommen, um hier zu arbeiten. „Wir brauchen Fachkräfte aus Drittstaaten, um das wirtschaftliche Wachstum auch weiterhin zu sichern. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die von uns erhoffte Wirkung des Gesetzes durch die coronabedingten Reisebeschränkungen erst verzögert eintreten wird“, sagt Arbeitsminsterin Petra Grimm-Benne (SPD).

„Der Fachkräftemangel wird sich weiter verschärfen“, meint Mathias Schönenberger, Referent für Fachkräftesicherung bei der Industrie- und Handelskammer Magdeburg. Erhebliche Personalengpässe gibt es neben den Pflegeberufen vor allem in den Branchen Metallbau/Schweißtechnik, Fahrzeugtechnik, Mechatronik, Energietechnik, Klempnerei, Heizungs- und Sanitärtechnik sowie im Bereich Versicherungs- und Finanzdienstleistung. „Die Höhe des Bedarfs an ausländischen Fachkräften hängt von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab“, sagt Markus Behrens.