Baustelle der NordLB: Das Schiffsportfolio

Viele kleine, von der Norddeutschen Landesbank finanzierte, Frachter liegen noch immer beschäftigungslos im Hafenbecken. Reeder können Zins und Tilgung nicht zahlen. Das Nachsehen hat die Bank. Bereits im vergangenen Jahr hatte die NordLB ihr Schiffsportfolio von 19 auf 16,6 Milliarden Euro verringert. Mitte 2017 stehen nur noch Schiffe im Wert von 14,5 Milliarden in den Büchern.

Bis Ende 2018 sollen die Schiffsfinanzierungen auf 12 bis 14 Milliarden Euro reduziert werden. Weltweit ist die Bank der drittgrößte Schiffskreditgeber. (ba)

Magdeburg l Sechs Buchstaben Erleichterung: Stabil. Über das Gesicht von Hinrich Holm huscht am Freitagvormittag ein leichtes Lächeln. In Magdeburg verkündet er gute Zahlen. 4,3 Milliarden Euro schwer sei das Kreditvolumen in Sachsen-Anhalt per Stichtag 31. Dezember 2016 gewesen. Etwas weniger als im Vorjahr, aber eben stabil, sagt Holm. Die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt frage zudem wieder längerfristige Finanzierungen nach. „Unternehmen machen sich auf und fällen hier und da mal wieder eine Investitions-Entscheidung“, erklärt der stellvertretende Vorstand der Norddeutschen Landesbank NordLB, an der das Land Sachsen-Anhalt 5,57 Prozent der Anteile hält.

Die NordLB ist in Zusammenarbeit mit den Sparkassen der größte Finanzierer für den Mittelstand. Vor allem Unternehmen aus der Chemieindustrie, der Logistik und der Agrarbranche zählen zu den Kreditnehmern. Das Geschäft mit den Kommunen hat hingegen etwas gelitten. Durch die STARK-Programme der Landesregierung sei die Nachfrage im vergangenen Jahr etwas gesunken. Die Bank rechnet aber wegen des Breitbandausbaus und kommunaler Investitionen in diesem Jahr wieder mit mehr Anträgen: Erst im Juni hatte die NordLB die Finanzierung von neun Kindertagesstätten in Magdeburg verkündet. Auch im Agrargeschäft erwartet die NordLB weiteres Wachstum: Nach der Milch-Krise gebe es erste Anzeichen der Erholung bei den viehhaltenden Betrieben, so Holm.

Keine Dividende

Mit dem Rückenwind aus Sachsen-Anhalt wird Holm in Hannover weiter die Konsolidierung seines Instituts vorantreiben. 1,9 Milliarden Euro Verlust hatte die NordLB im vergangenen Geschäftsjahr eingefahren – ein trauriger Rekord. Einen ersten Erfolg hatten Holm und seine Kollegen in dieser Woche verkündet: 271 Millionen Euro Gewinn im ersten Halbjahr. Doch Sachsen-Anhalts Finanzpolitiker werden davon zunächst nichts bemerken. Seit 2005 hatte das Land nach Angaben des Finanzministeriums rund 46 Millionen Euro an Gewinnbeteiligungen erhalten. Doch bis auf Weiteres werde es keine Dividende mehr geben, so Holm. „Wir brauchen den Gewinn, um unser Eigenkapital zu stärken“, erklärt er.

Bilder

Die zu geringe Kernkapital-Ausstattung hatten Rating-Agenturen gerügt und der NordLB Hausaufgaben aufgegeben. Zuletzt wies das Institut eine Kernkapitalquote von 11,5 Prozent aus, nach zeitweise nur zehn Prozent im vergangenen Jahr. Ziel sei eine Quote zwischen 13 und 15 Prozent, so Holm. In den ersten sechs Monaten stieß die NordLB deswegen erneut faule Schiffskredite ab (siehe Infokasten).

Hinter den Kulissen wird zudem über einen Verkauf der Deutschen Hypothekenbank nachgedacht, einer Tochtergesellschaft der NordLB. „Wir sichten Angebote“, sagt Hinrich Holm. „Für uns ist wichtig, durch den Verkauf eine deutliche Verbesserung der Eigenkapitalquote zu erzielen“, erklärt er.