Magdeburg l Die Ausbaukrise bei der Windkraft an Land verschärft sich. Lediglich 325 neue Anlagen mit 1078 Megawatt (MW) kamen im vergangenen Jahr hinzu. Gegenüber 2018 ein Einbruch von 55 Prozent, im Vergleich zu 2017 gingen gar 80 Prozent weniger Anlagen ans Netz. Der niedrigste Stand seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000.

Auch in Sachsen-Anhalt kommen immer weniger Anlagen hinzu. 2019 wurden 23 Windräder (73 MW) errichtet. Platz sechs im Ländervergleich. 2016 etwa waren noch 113 neue Anlagen in Betrieb genommen worden. Den größten Zubau gab es in Brandenburg (73 Anlagen/240 MW). An zweiter und dritter Stelle folgen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Nur sechs neue Windräder wurden in Bayern und in Hessen errichtet, zwei im Saarland.

Die Branchenverbände BWE und VDMA rufen die Politik zum Handeln auf. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch soll bis 2030 auf 65 Prozent klettern. Bei steigendem Energiebedarf wäre somit ein Zubau von 5000 MW pro Jahr erforderlich. Appell an Bund und Länder: Sofortmaßnahmen für mehr Genehmigungen und Flächen. Es brauche eine Abkehr von pauschalen Abstandsregeln, sagt der Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE), Hermann Albers. Sonst droht der Verlust von 40 Prozent der potenziellen Windflächen in Deutschland.

Die Bundesregierung plant einen pauschalen Mindestabstand von Windrädern zu Wohnbebauung von 1000 Meter – gelten soll der auch für einzelne Häuser. Sachsen-Anhalts Energieministerin Claudia Dalbert (Grüne) will die geltenden Abstandsregeln im Land beibehalten. Die Regel sind 1000 Meter, bei kleineren Ansiedlungen kann der Abstand unterschritten werden. „Wir brauchen keine starren Vorgaben aus Berlin“, sagt sie. Wichtiger sei „eine Gewinnbeteiligung der Kommunen um die die Windräder stehen“. Nur so ließe sich die Akzeptanz für die Energiewende steigern.

Die Flaute beim Zubau – sie gefährde nicht zuletzt Arbeitsplätze, warnt Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems. Beispiel Enercon: Der Windanlagenbauer begann Ende 2019 mit dem Abbau hunderter Jobs in Magdeburg. 3000 Beschäftigte sind deutschlandweit betroffen. Das Unternehmen begründete die Maßnahmen mit dem Einbruch des Windenergiemarktes. Die Rotorblattfertigung wird künftig im Ausland stattfinden. Verbandschef Zelinger warnt vor der abnehmenden Produktion für den Heimatmarkt. Sollte der Markt weiter stagnieren, drohen allein durch den Wegfall der heimischen Nachfrage weitere 25 Prozent der Jobs wegzubrechen.

Verbände rechnen mit Zubau-Plus

Schwacher Trost: Für 2020 rechnen die Verbände mit einem sanften Plus beim Zubau. Um die Klimaziele zu erreichen, genügten die prognostizierten 1400 bis 1800 Megawatt aber bei weitem nicht. Ende 2020 fallen rund 4000 Megawatt Windleistung aus der EEG-Förderung. Bis dahin müssten Hürden fallen, damit etwa mehr Anlagen repowert werden können.