Schwarzholz/Magdeburg (dpa) l Anhaltend niedrige Preise bringen immer mehr Milchbauern in Sachsen-Anhalt in Bedrängnis. Seit Herbst 2015 haben nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter BDM Sachsen-Anhalt etwa 60 Betriebe ihre Milchproduktion dicht gemacht. Damit gebe es von ehemals 440 noch 280 bis 290 Milchproduzenten, sagte der BDM-Landesvorsitzende Peter Schuchmann.

"Und das geht weiter, das Karussell wird sich weiterdrehen" sagte der Milchbauer. Er betreibt in Schwarzholz (Kreis Stendal) einen Hof mit 220 Kühen und produziert seit Mai 2016 Bio-Milch.

Infografik: Anzahl der Milchbetriebe in Deutschland sinkt | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista, Referenz

"Es ist zuviel Milch da, damit sinken die Preise." Nach seiner Ansicht hätte es nach der Freigabe der Milchquoten eine Nachfolgeregelung geben müssen. "Man muss zu der Erkenntnis kommen, wir brauchen Regeln für diesen volatilen Markt. Die Politik ist schon dafür verantwortlich. Ich erwarte von CDU und SPD, dass sie etwas tun", forderte der Landwirt.

Bei einer Sondersitzung Mitte Juli in Brüssel hatten sich die Agrarmister von Bund und Ländern nicht auf eine gemeinsame Position in der europaweiten Milchkrise einigen können. Rheinland-Pfalz hatte sich gegen ein Papier ausgesprochen, mit dem eine verpflichtende Senkung der Milchmenge gefordert werden sollte.

"Wenn Milchbauern ihre Ställe schließen, hängen da Schicksale dran. Es geht vielleicht weiter mit Ackerbau und Biogas. Aber wenn die Milch wegfällt, dann werden Leute entlassen", betonte Schuchmann und warnte vor den Folgen. "Wenn die Kühe erstmal raus sind, ist es ganz schwer, das zurückzudrehen und etwas neues aufzubauen."

Nach Angaben des BDM ist die Zahl der Milchviehhalter zwischen 2012 und 2014 bundesweit von 85.000 auf etwa 75.000 zurückgegangen. "In der aktuellen Situation machen sich viele Gedanken, ob man den Betrieb perspektivisch aufgeben sollte", sagte ein Sprecher des Bundesverbandes.

Die Durchschnittszahl der Milchkühe pro Betrieb liege in den alten Bundesländern bei 48 und in den neuen Ländern bei 182 (Stand 2014). Während beispielsweise in Bayern 34 Milchkühe pro Hof gehalten würden, seien es in Mecklenburg-Vorpommern 200 und in Sachsen-Anhalt 194. Allerdings gebe es kaum noch ein Unternehmen, das ausschließlich auf einen bestimmten Betriebszweig setzt. So werde neben der Milcherzeugung auch Ackerbau betrieben. "Viele suchen sich auch Einkommensalternativen", sagte der Sprecher. Das reiche von regenerativen Energien bis zu Ferien auf dem Bauernhof.