Magdeburg l Sorgen bereitet den Finanzexperten der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB) nach wie vor die zurückhaltende Investitionstätigkeit der Unternehmen. Die wenigen Großbetriebe und Mittelständler seien finanziell gut aufgestellt, sagte Hinrich Holm, Vorstandsmitglied des Geldinstitutes, am Freitag in Magdeburg. „Die Gewinne verbleiben allerdings in den Unternehmen“, so Holm, der Anfang des kommenden Jahres zum stellvertretenden Vorstandschef der Bank aufrückt, die in den Bundesländern Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern aktiv ist.

Zurückhaltend bei Investitionen

Als hauptsächlichen Grund für die Zurückhaltung sieht Holm die Unsicherheit durch die weltweite politische Lage. „Überall gibt es derzeit nationale Bestrebungen, viele Länder wollen Grenzen schließen“, sagte Holm. Für Mittelständler böten die Veränderungen aber auch Chancen, sich neu zu positionieren. „Kleinere Unternehmen könnten profitieren, weil sie flexibler reagieren können als mancher Großkonzern“, erklärte der Banker.

Der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt stellen die Analysten der Nord/LB ein gutes Zeugnis aus. Es fehle zwar noch immer an industriellen Leuchttürmen. Aber: „Der Mix aus Groß- und Kleinbetrieben wird dank des organischen Wachstums der umsatzstarken Unternehmen immer gesünder“, sagte der Chefvolkswirt der Landesbank, Torsten Windels. Die großen Betriebe seien weiterhin Flaggschiffe für Investitionen, Innovationen sowie Aufträge für den Mittelstand. Die gute Entwicklung werde derzeit auch von der konjunkturellen Lage in Deutschland getragen. Die Arbeitslosigkeit gehe weiter zurück. Hinzu komme eine Reallohnsteigerung dank der niedrigen Inflation. „Die Konsumfreude beflügelt die Wirtschaft“, sagte Windels.

Das bescheinigt auch die Studie der Nord/LB. Bei den 100 umsatzstärksten Unternehmen in Sachsen-Anhalt wuchs die Zahl der Beschäftigten im vergangenen Jahr um fünf Prozent. Etwas mehr als 100 000 Mitarbeiter waren 2015 bei den größten Firmen im Bundesland angestellt. Gleichzeitig verzeichneten die Unternehmen einen leichten Umsatzrückgang.

Für das Minus sind vor allem die großen Player aus der Chemieindustrie verantwortlich: Die Total-Raffinerie in Leuna (Fünf Milliarden Euro Umsatz) und die Dow-Gruppe in Schkopau (2,7 Milliarden Euro) büßten im vergangenen Jahr etwa ein Viertel ihres Umsatzes wegen der niedrigen Rohstoffpreise am Mineralölmarkt ein. Zu den größten Gewinnern im Umsatzranking gehört das Bosch Communication Center in Magdeburg. Der Telefondienstleister konnte seine Erträge um 25 Prozent auf 81,1 Millionen Euro steigern (Platz 78). Neu dabei sind die Ameos Kliniken aus Aschersleben (238 Millionen Euro Umsatz, Platz 27), der Rohstoffhändler Glencore (145,2 Millionen Euro, Platz 43) und der Helmhersteller Schuberth (69,8 Millionen Euro, Platz 91) aus Magdeburg sowie der Fahrradbauer Mifa-Bike (65 Millionen Euro, Platz 96) aus Sangerhausen.

Getec-Gruppe wächst

Bei den größten Arbeitgebern im Land dominieren zwei Dienstleister die Liste. Die Deutsche Bahn liegt trotz eines Abbaus von 117 Stellen mit knapp 7400 Beschäftigten vor der Deutschen Post mit 5100. Den größten Mitarbeiteraufbau verzeichnete die Bauer Elektroanlagen GmbH aus Halle, die mit 450 Mitarbeitern ein Drittel mehr Beschäftigte hat als noch 2014 (Rang 73), sowie die Magdeburger Getec-Gruppe mit einem Plus von 185 Stellen auf 1165.

Die Norddeutsche Landesbank listet in jedem Jahr die größten Unternehmen in Sachsen-Anhalt nach Anzahl der Beschäftigen und Umsatz auf. Das Ranking beruht auf freiwilligen Angaben der Firmen. Die Landesbank hatte rund 400 Unternehmen angeschrieben. Einige große Arbeitgeber wie Rewe, Lidl oder Aldi beteiligten sich wie in den Jahren zuvor nicht. Einige sind nicht durchgehend dabei. So setzte das Braunkohleunternehmen Mibrag vergangenes Jahr aus, ist dieses Jahr aber wieder dabei.

Die vollständige Liste der 100 größten Unternehmen im Land nach der Anzahl der Beschäftigten und der Höhe des Umsatzes gibt es hier.