Halle (dpa) l Aus Polen oder dem Baltikum nach Sachsen-Anhalt: 15 Jahre nach Beginn der Osterweiterung der Europäischen Union arbeiten immer mehr Menschen aus anderen EU-Staaten in dem Bundesland. "Sie sind eine wichtige Stütze der Wirtschaft und werden als Fachkräfte immer bedeutsamer", erklärte Kay Senius, Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit in Halle.

Den Angaben zufolge ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus EU-Staaten in Sachsen-Anhalt zwischen September 2017 und 2018 um mehr als 13 Prozent gestiegen. Im Gegensatz dazu ging in dieser Zeit die Zahl der deutschen Beschäftigten um 0,1 Prozent zurück. Hintergrund ist der demografische Wandel, der mit einem Mangel an Arbeitskräften verbunden ist.

"Menschen aus Polen, Ungarn, Tschechien, der Slowakei oder den baltischen Staaten sind nicht mehr aus Unternehmen in Sachsen-Anhalt wegzudenken", sagte Senius. Im Land arbeiten rund 18.000 Menschen aus der EU (September 2018). Das sind 2,2 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Sachsen-Anhalt (809.100 Männer und Frauen). Vor fünf Jahren waren im Land rund 6900 Menschen aus EU-Staaten beschäftigt. Das waren rund 11.000 weniger als heute. In Deutschland liege der Anteil der sozialversicherungspflichtigen EU-Ausländer bei 6,5 Prozent, Sachsen-Anhalt (2,2 Prozent) also darunter.

Unter den aus der EU stammenden Beschäftigten im Bundesland kommen etwa 15.300 Menschen aus den osteuropäischen Staaten, die seit 2004 der Europäischen Union beigetreten sind. Mit 8400 Beschäftigten bilden dabei Menschen aus Polen die größte Gruppe aus EU-Staaten und dem Ausland insgesamt, wie die Regionaldirektion mitteilte.

Jeder fünfte EU-Beschäftigte arbeitet den Angaben zufolge im verarbeitenden Gewerbe (19 Prozent), fast 18 Prozent im Bereich Verkehr und Lagerei, gut elf Prozent auf dem Bau. "Mehr als die Hälfte der in Sachsen-Anhalt beschäftigten EU-Ausländer sind Fachkräfte", erklärte Senius. Zudem sind sie in Helferjobs sowie als Zeitarbeiter tätig.