Magdeburg l Der Markt für Spezialitätenkaffee in Deutschland wächst. Magdeburger Julian König folgt diesem Trend und hat die "Kaffeerösterei Magdeburg" eröffnet. Auf 20 Quadratmetern röstet der 33-Jährige Spezialitätenkaffee, schafft immer wieder neue Kreationen und verfolgt dabei vor allem ein Ziel: Filterkaffee wieder modern zu machen. Weg von Espresso, Cappuccino, Latte Macchiato und anderen Getränken, die aus Espressoröstungen entstehen.

"Filterkaffee hat leider einen schlechten Ruf, obwohl er die größte Geschmackspalette bietet", erklärt Julian König seine Vorliebe für die "helle Röstung". Gefilterter Kaffee sei im Handel meist nur in schlechter Qualität zu erhalten. Aus diesem Grund kam der Magdeburger auf die Idee der eigenen Rösterei.

Quereinsteiger in der Kaffeebranche

Julian König ist – wie viele seiner Rösterkollegen – streng genommen ein beruflicher Quereinsteiger. Nach seinem Musik- und Kunststudium hat er jahrelang für eine Onlinemarketing-Firma in Berlin gearbeitet. Nach dem Besuch einiger "Cupping"-Seminare – wie die Verkostung von Kaffee genannt wird – und dem Kontakt zu professionellen Röstern, hat er sich entschieden, das "braune Gold" selbst zu rösten und sich das Rösthandwerk selber beigebracht.

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Nach dem Motto "Filter coffee is not a crime" (dt.: Filterkaffee ist kein Verbrechen)" will König in seiner Magdeburger Rösterei qualitativ hochwertigen Filterkaffee herstellen, der sich gegen die Trendgetränke in den Cafés behaupten kann. Und der 33-Jährige folgt damit einem wachsenden Trend, denn 47 Prozent der Deutschen kaufen bereits Kaffee aus Privatröstereien, weitere 30 Prozent seien daran interessiert, wie der Deutsche Kaffeeverband berichtet.

Neben Julian König, der seinen eigenen Kaffee seit Februar 2019 vertreibt, gibt es mit "Caffé a due" und "Kaffeerösterei Seposita" noch mindestens zwei weitere Privatröstereien in Sachsen-Anhalts Hauptstadt. Damit ist der Bereich des Spezialitätenkaffees noch immer etwas Besonderes in Magdeburg.

Hochwertige Kaffeebohnen verwenden

Die Grundlage für guten Kaffee, egal ob Filter oder Espresso sei laut König aber immer die gleiche: qualitativ hochwertige Kaffeebohnen. "In der Industrie wird der Kaffee bei 200 bis 300 Grad Celsius geröstet, wodurch er seine dunkle Farbe erhält, aber auch viele Bitterstoffe entwickelt", erklärt Julian König den Unterschied zur dunklen Röstung, die meist etwa zwei bis drei Minuten in der Maschine braucht. König selbst röstet die Bohnen in einer Einsteigermaschine mit Infrarotwärme etwa 15 bis 18 Minuten und nie höher als 185 Grad Celsius.

Für jede Röstung erstelle er so eine individuelle Röstkurve, die Temperatur und Luftzug reguliert. "Es gibt nie zweimal die gleiche Röstung, jede ist ein wenig anders, da auch Komponenten wie die Raumtemperatur darauf einwirken", erzählt Julian König. Mit Hilfe dieser Röstkurve kann der Magdeburger das Aroma des Kaffees beeinflussen und stimmt die Röstungen auf die Geschmäcker der Kunden ab. König verändert dann zum Beispiel die Auswahl des Rohkaffees oder erstellt sogenannte "Blends" (dt.: Mischung) aus verschiedenen Rohkaffees.

Kaffee für die Magdeburger

Seinen "Magdeburg Kaffee" hat Julian König speziell auf die Geschmäcker der Magdeburger abgestimmt. "Durch das Kundenfeedback habe ich gemerkt, dass man in Magdeburg und Umgebung gern klassischen Kaffee, mit wenig Säure und nussig, schokoladigem Aroma trinkt", so der 33-Jährige.

Seine noch kleine Produktion mit rund 150 Kilogramm Kaffee im Monat, ermöglicht es Julian König  immer frisch zu rösten, wodurch der Kaffee in der Regel höchstens vier bis sechs Wochen alt ist. Im Gegensatz zu industriellem Kaffee steht auf seinen Spezialkaffee-Packungen, wann der Kaffee in Magdeburg geröstet wurde.

Rösterei auf 20 Quadratmetern

Für die Zukunft plant König unter anderem einen Ausbau einer Rösterei, denn Warenlager, Röster, Verpackung und Vertrieb sind aktuell auf gut 20 Quadratmetern untergebracht. Vielleicht sogar ein Café? Ja, auch das ist möglich, so König. Außerdem experimentiert der Magdeburger gern und hat durch Kooperationen mit regionalen Partnern einen Kaffeelikör und bald auch ein Kaffeebier entwickelt. Gerade arbeitet König an der Produktion von "Cold Brew"-Kaffee, der kalt aufgebrüht werden kann. Außerdem experimentiert er mit den Steinfrüchten der Kaffeepflanze. "Die kann man zum Beispiel für Tee verwenden", erklärt Julian König.

Und wie trinkt ein Röster seinen Kaffee am liebsten? "Natürlich schwarz, ich muss bei meinem eigenen Kaffee ja auch einen Qualitätscheck machen." Ein Schluck Milch oder ein Löffel Zucker seien für König aber keine No-Gos.