Frankfurt/Berlin (dpa) l Im Zusammenhang mit den Warnstreiks beim Sicherheitspersonal an Flughäfen ist am Dienstag auch in Leipzig/Halle, Dresden und Erfurt mit Flugausfällen und -verspätungen zu rechnen. "Nach vier ergebnislosen Verhandlungsrunden müssen wir dem Arbeitgeber zeigen, dass wir hinter den Forderungen stehen", sagte Christel Tempel von der Gewerkschaft Verdi am Wochenende in Leipzig. Mindestens 220.000 Passagiere sind laut Flughafenverband ADV von den geplanten Arbeitsniederlegungen betroffen. Neben Deutschlands größtem Airport Frankfurt am Main wurden Warnstreiks zudem für Hamburg, München, Hannover und Bremen angekündigt. In München sind nach ADV-Angaben nur die Personal- und Warenkontrollen betroffen, an den anderen Flughäfen auch die Passagier- und Handgepäckskontrollen. Die Deutsche Luftverkehrswirtschaft und die Flughäfen warfen der Gewerkschaftsseite Rücksichtslosigkeit zulasten der Passagiere vor.

Anlass des Ausstands ist der laufende Tarifkonflikt, in dem die Gewerkschaften für die bundesweit 23.000 Beschäftigten im Bereich der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle an den Flughäfen eine einheitliche Bezahlung fordern. Verdi verlangt brutto 20 Euro pro Stunde, der DBB fordert einen Stundenlohn von 19,50 Euro. Bislang sind die Stundenlöhne in der Branche regional sehr unterschiedlich geregelt.

Der erneute Streikaufruf sei notwendig geworden, weil der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) weder auf "das starke Signal der Beschäftigten" durch Warnstreiks in Berlin, Düsseldorf, Köln-Bonn und Stuttgart mit einem verhandlungsfähigen Angebot reagiert habe, sagte Verdi-Verhandlungsführer Benjamin Roscher. "Die Arbeitgeber lassen uns mit ihrer Blockadehaltung leider keine andere Wahl", kommentierte DBB-Verhandlungsführer Volker Geyer.

Nach Verdi-Angaben hat der BDLS bei der jüngsten Verhandlungsrunde am 20./21. Dezember 2018 sein Angebot für eine Entgelterhöhung von 1,8 Prozent auf 2,0 Prozent pro Jahr bei zweijähriger Vertragslaufzeit erhöht. Die Lohnangleichung für ostdeutsche Bundesländer soll demnach erst nach fünf Jahren beendet sein.

Dem widersprach die Arbeitgeberseite: Das aktuelle Angebot liege bei bis zu 6,4 Prozent mehr Lohn pro Jahr. Bereits im Dezember habe der Verband zudem sehr deutlich kommuniziert, dass man zu einer weiteren Erhöhung und zu zügigen Verhandlungen ab Jahresanfang bereit sei, erklärte der BDLS. "Die Gewerkschaft fordert weiterhin stur 20 Euro pro Stunde für alle Beschäftigten und schädigt mit den völlig ausufernden Streikmaßnahmen Passagiere, Flughäfen und Fluggesellschaften massiv", kritisierte deren Verhandlungsführer Rainer Friebertshäuser. "Die Gewerkschaft überspannt den Bogen mit diesen Maßnahmen zunehmend."

Auch der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, kritisierte Verdi scharf: "Es ist unverantwortlich von Verdi, die Streiks bis zum Exzess auszudehnen." Jede Dimension eines Warnstreiks werde gesprengt. "Mir fehlt jedes Verständnis dafür, dass Verdi die Streiks auf dem Rücken der Reisenden, der Fluggesellschaften und der Flughäfen austrägt."

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) äußerte sich ähnlich: "Das ist kein Warnstreik mehr, das ist völlig unverhältnismäßig", so Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow. Leidtragende dieser Aktion sind dem Verband zufolge die Passagiere, aber auch die Flughäfen und Fluggesellschaften.

Verdi spielte den Ball am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur an die Arbeitgeber zurück: Man sei sich der Härten für die Passagiere bewusst, sagte eine Sprecherin. Sie verwies aber zugleich darauf, dass die Gewerkschaft die Arbeitsniederlegungen stets frühzeitig angekündigt und auch die Ferien ausgeschlossen habe. Da die Arbeitgeber kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt hätten, sei man nun gezwungen, die Warnstreiks fortzusetzen.

Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt am Main bereitet sich entsprechend vor: Wie ein Sprecher sagte, soll sich ein spezielles Team um die Passagiere kümmern, die nicht wie geplant in einen Flieger steigen können. Dazu gehöre etwa die Bereitstellung von Verpflegung, Decken und Feldbetten. Der Ausstand am kommenden Dienstag könnte den Flughafen in Frankfurt weitgehend lahmlegen. Die Gewerkschaften Verdi und DBB haben die etwa 5000 Mitarbeiter, die dort für die Kontrolle von Passagieren und Fracht zuständig sind, zu einem fast ganztägigen Warnstreik aufgerufen. 

"Auch wenn wir gut vorbereitet sind, wir empfehlen Reisenden während des Streiks nicht zum Flughafen zu kommen", sagte der Sprecher. Besser sei es, wenn sich die Menschen bei den Airlines nach Umbuchungen oder sonstigen Alternativen erkundigten. Reisende, die in Frankfurt zwischenlanden und bereits kontrolliert wurden, müssen – sofern sie im Sicherheitsbereich bleiben – nicht mit Komplikationen rechnen. Das seien etwa 60 Prozent aller Passagiere, sagte der Fraport-Sprecher. Normalerweise würden an diesem Tag etwa 135.000 Passagiere abgefertigt.

Am 23. Januar wollen sich Verdi und Arbeitgeber in Berlin zu ihrer fünften Verhandlungsrunde in dem Tarifkonflikt wieder an einen Tisch setzen. Der nächste Verhandlungstermin von DBB und BDLS ist für den 24. Januar 2019 ebenfalls in Berlin vereinbart.