Harzgerode (dpa) l Der kleine Ort Siptenfelde im Harz kommt aus dem Funkloch raus. Von Dienstagnachmittag an soll in dem Ortsteil von Harzgerode eine mobile Sendestation den weißen Fleck auf der Mobilfunkkarte ausmerzen, zumindest für eine Woche. Die CDU im Landtag startet dort mit der Firma Vetters&Freywald, die sich auch "Funklochstopfer" nennt, eine Tour, um zu präsentieren, was sie für eine Lösung gegen weiße Versorgungsflecken hält. Darum geht es:

Die Lage

Langsames Internet und schlechte Handyverbindungen sind seit Monaten ein Daueraufreger. Bundesweit ist Sachsen-Anhalt letzter beim Breitbandausbau. Seit September bekam die CDU im Landtag über die von ihnen bereitgestellte App "Funklochfinder" mehr als 63 000 Mal gemeldet, wo das Mobilfunknetz schlecht bis abwesend ist. Jetzt, mitten im Kommunalwahlkampf, startet ihre "Funklochstopfer"-Tour.

Die Idee

"Nur das Problem zu beschreiben, reicht uns nicht, wir wollen Lösungen anbieten", sagte Fraktionsvize Ulrich Thomas. Fündig wurde er mit seinem Team bei der Magdeburger Firma "Funklochstopfer". Sie baut und vermietet mobile Sendemasten. Um sein Produkt bekannter zu machen, übernimmt das Unternehmen die Kosten der Aktion.

Mit der Demonstration soll in den Kommunen die Möglichkeit bekannter werden, schnell und auf eigene Faust ein Funkloch zu stopfen, so Ulrich Thomas. Je eine Woche macht die 20 Meter hohe Antenne in den identifizierten Funklöchern Station. Nach Harzgerode geht es in den Raum Bitterfeld-Wolfen, nach Gräfenhainichen und in die Altmark. Die Stationen danach stehen laut CDU-Fraktion noch nicht fest.

Die Funktionsweise

Es braucht einen Stromanschluss, ein öffentliches Gelände, einen Glasfaseranschluss oder Richtfunk – und einen Netzbetreiber mit Sendelizenz, so einer der Firmenchefs beim "Funklochstopfer", Ralf Freywald. In diesem Fall habe sich die Deutsche Telekom bereit erklärt, das Projekt zu unterstützen. Wer in den Tour-Orten einen anderen Anbieter als T-Mobile hat, sitzt weiter im Funkloch. Die genutzten Anlagen können den Angaben zufolge einen Umkreis von 10 bis 15 Kilometer versorgen.

Das Geld

Wenn es nach der CDU-Fraktion geht, lassen sich möglichst viele Kommunalpolitiker für die mobilen Sendeanlagen begeistern. Doch je nach örtlicher Gegebenheit kostet eine 100 000 bis 200 000 Euro, wie CDU-Fraktionsvize Ulrich Thomas vorrechnet. Deswegen wollen er und seine Parteikollegen in den laufenden Haushaltsverhandlungen ein neues Förderprogramm durchsetzen. 10 Millionen Euro im Jahr soll es geben, um Kommunen bei der Anschaffung zu unterstützen. Die Anlagen müssen dann nicht unbedingt aus Magdeburg kommen: Aufträge müssen ausgeschrieben werden, betonten Thomas und Freywald.

Der Haken

Klingt alles so einfach – warum lassen sich die Anbieter seit Jahren wegen Funklöchern anmeckern und pflastern nicht selbst alles mit den mobilen Lösungen zu? Ihre wirtschaftlichen Interessen seien auf große Lösungen fokussiert, sagt CDU-Mann Thomas. Ein Hauptproblem sei aber die Bürokratie, ergänzt Anlagen-Anbieter Freywald. Die "Funklochstopfer"-Tour funktioniere so unkompliziert, weil die Anlagen nur kurz da sind. Wer länger als wenige Monate oder gar unbegrenzt aufstellen will, braucht eine Baugenehmigung – und das dauert. Er hoffe, dass für den Aufbau der neuen Mobilfunkgeneration 5G die Vorgaben gelockert werden, so Freywald.