Magdeburg l Die „Rotorblattfertigung Magdeburg“ (Roma) im Süden der Stadt stellt für den Wind-Riesen Enercon die kleinen 1-Megawatt-Anlagen her. Die Umsätze gingen laut Geschäftsbericht von 15 Millionen Euro (2013) auf 11,6 Millionen Euro (2015) zurück. Der Gewinn halbierte sich fast auf 429.000 Euro. In den vergangenen Monaten halbierte sich auch die Auftragslage – bis Jahresende gehe diese auf null, teilte Enercon auf Nachfrage mit. Die kleinen Anlagen würden in Deutschland kaum noch bestellt. Kleinere Stückzahlen werden noch exportiert. Doch die Produktion müsse „zunehmend vor Ort“ erfolgen, schreibt Enercon-Sprecher Felix Rehwald. Also im Ausland.

Zum 31. Dezember muss „Roma“ in Magdeburg den Betrieb einstellen. Betroffen sind 140 Beschäftigte. Ob einige bei anderen Enercon-Zulieferern unterkommen, konnte gestern niemand sagen. Angeblich laufen erste Gespräche mit dem Betriebsrat.

Noch mehr Schließungen?

Die Hersteller sind rechtlich selbständig, sie haben aber exklusive Verträge mit dem Windmühlen-Riesen Enercon in Aurich. Der hat in Magdeburg zwei weitere Zulieferer. Wie steht es um die? Man tue alles, um viele Jobs zu erhalten, heißt es von Enercon. Doch es sei schwierig, vorherzusagen, wie sich die Situation in den nächsten Monaten entwickelt.

Der Neubau von Windkraftanlagen geht zurück. Das ist politisch gewollt und hat zwei Gründe. Erstens: Das Netz ist längst nicht so weit, um die großen Windstrommengen an die Kunden zu bringen. Und zweitens: die Strompreise. Die sind seit 2006 für Privathaushalte um 50 Prozent gestiegen. Hauptursache: die Erneuerbaren. Pro Jahr zahlen alle Stromkunden 24 Milliarden Umlagen an die Ökostromhersteller.

Um den Preisgalopp zu zügeln, hatte die CDU-SPD-Koalition in Berlin mehr Wettbewerb vorgeschrieben und dadurch den Zubau gedrosselt. 2017 werden nochmal 5000 Megawatt (MW) Windstrom ans Netz gehen, 2018 sind es noch 3500. Danach waren 2800 MW pro Jahr angepeilt. „Doch wir fürchten, dass es auf 1400 Megawatt abstürzt – das wäre verheerend“, sagt Wolfram Axthelm, Chef des Bundesverbands Windenergie. Hauptkritik: Durch das neue Gesetz werden sogenannte Bürgerwindparks bevorzugt. Deren Betreiber müssen bei der Ausschreibung noch keine Genehmigung vorlegen und haben zudem fast fünf Jahre Zeit für den Aufbau. „Hersteller haben keine Planungssicherheit und kommen ins Schlingern“, sagt Axthelm. „Das Gesetz muss zügig repariert werden.“