Brüssel (dpa) l Als es richtig losging mit der Europäischen Währungsunion, fehlte ausgerechnet der deutsche Finanzminister: Oskar Lafontaine, damals noch auf SPD-Ticket Ressortchef, ließ sich zur Jahreswende 1998/1999 in Brüssel vom damaligen Wirtschaftsminister Werner Müller vertreten. Der gab zu Protokoll, Lafontaine habe „vor langer Zeit einen sehr entfernten Urlaub“ gebucht. Eine Urlaubssperre galt unterdessen für Tausende Banker.

Bei der technischen Umstellung von nationalen Währungen wie deutscher Mark, französischem Franc und italienischer Lira auf die gemeinsame Währung Euro sollte möglichst nichts schiefgehen. Für 11 der damals 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) wurde der Euro am 1. Januar 1999 gesetzliches Zahlungsmittel – zunächst elektronisch, ab 2002 dann als Bargeld. Von Beginn an dabei waren Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien.

Exportnation profitiert in Europa

„Die Verwirklichung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion ist ... für uns Deutsche wie auch für die Europäer die wichtigste und bedeutendste Entscheidung seit der Wiedervereinigung Deutschlands“, warb der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) im April 1998 im Bundestag. In der Tat profitiert die Exportnation Deutschland wie kaum eine andere Volkswirtschaft in Europa von dem erweiterten Binnenmarkt. Knapp 40 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen in die Euro-Partnerländer.

Kosten für Währungsumtausch und Absicherung von Wechselkursschwankungen fallen dabei weg. Denn die Wechselkurse wurden unwiderruflich fixiert: 1 Euro = 1,95583 D-Mark.

Noch heute rechnet gut ein Drittel der Deutschen (rund 38 Prozent) zumindest bei größeren Anschaffungen regelmäßig Euro-Preise in D-Mark um, wie eine jüngere Emnid-Umfrage unter 1026 Erwachsenen ergab.

Mehrheit für den Euro

Otmar Issing, damals Chefvolkswirt der neu gegründeten Europäischen Zentralbank (EZB), betont die Stabilität des Euro: In den knapp 20 Jahren betrug die durchschnittliche jährliche Inflationsrate im Währungsraum 1,7 Prozent. In den 50 D-Mark-Jahren waren es in Deutschland 2,8 Prozent.

Der jüngsten Umfrage der EU-Kommission zufolge ist die Zustimmung der Deutschen zum Euro insgesamt gesunken: 70 Prozent meinen demnach, der Euro sei gut für Deutschland. Damit ist die Zustimmung zwar immer noch überdurchschnittlich. Bei der Umfrage 2017 war die Gruppe der Euro-Befürworter in Deutschland aber mit 76 Prozent noch größer. „Der Euro wirkt zurzeit eher als Spaltpilz, denn als gemeinschaftsstiftende Einrichtung“, stellt Issing fest. „Am Euro macht sich viel Europafeindlichkeit fest – aus falschen Gründen.“ Jüngstes Beispiel: Italien. Die nun regierende Koalition aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega machte schon im Wahlkampf Stimmung gegen die Gemeinschaftswährung. Die Populisten in Italien griffen ein weit verbreitetes Gefühl auf: Seit der Euro-Schuldenkrise, die ab 2010 vor allem Griechenland hart traf, fühlen sich viele Südeuropäer von Brüssel gegängelt. Aus gesamteuropäischer Sicht bleibt das Hauptproblem die fehlende politische Einheit. Während die Geldpolitik bei der EZB gebündelt wurde, blieb die Wirtschafts- und Haushaltspolitik weitgehend in der Hand der einzelnen Staaten.

Heute ist der Euro für gut 340 Millionen Menschen in 19 EU-Staaten offizielles Zahlungsmittel. Der frühere EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hält den Euro für einen großen Erfolg: „Wir haben eine Währung aus der Taufe gehoben, die praktisch über Nacht zur zweitstärksten der Welt wurde.“