Magdeburg l Unbekannte haben auf dem Südfriedhof in Magdeburg das Grab eines der bedeutendsten Magdeburger Industriellen beschädigt. An der Ruhestätte von Hermann Gruson(1821-1895) wurde ein Metallkranz abgerissen. Zu allem Ärger passierte das auch noch nur wenige Tage nach dessen 125. Todestag.

Förderer der Stadt Magdeburg

Wer sich durch den Haupteingang des Südfriedhofs begibt und gleich nach rechts abbiegt, dem sind sie sicher schon mal aufgefallen. Die Gräber Magdeburger Industrieller aus längst vergangenen Zeiten. Eine imposante Grabstätte findet sich hier auch für Hermann Gruson. Von dunklen Steinsäulen eingefasst steht dort auf einem Portal die Inschrift „Gruson".

Fast jeder Magdeburger kann mit dem Namen Gruson etwas anfangen, tragen doch die städtischen Gruson-Gewächshäuser bis heute diesen Namen nicht zufällig. Hermann Gruson war nicht nur Industrieller in der Stadt, sondern auch ihr Förderer und Botaniker.

Größte Kakteensammlung der Welt

Gruson besaß einst die größte Kakteensammlung Europas. Mit seinem Tod 1895 stiftete er sie samt einem größeren Geldbetrag der Stadt Magdeburg. 1896 wurden die hiervon errichteten Grusonschen Gewächshäuser – eine Sammlung vieler seltener, inzwischen vom Aussterben bedrohter exotischer Pflanzen – den Magdeburgern zugänglich gemacht.

Nun musste er posthum ungebetenen Besuch hinnehmen. Diebe machten sich an seinem Familiengrab zu schaffen und brachen einen Metallkranz aus der Grabanlage heraus. Betroffen ist damit auch die Stadt Magdeburg als Eigentümer und Betreiber des Friedhofs

Reste des Kranzes sichergestellt

Danach sei der Diebstahl an der Gruson-Gedenkstätte am 25. Februar festgestellt und umgehend der Polizei gemeldet worden. Stadtsprecher Michael Reif auf Anfrage: „Bei dem Diebstahl handelt es sich um einen Metallkranz, der zur Hälfte abgerissen und entwendet wurde. Die noch vorhandene Hälfte des Metallkranzes wurde von einer Steinmetzfirma abgebaut und sichergestellt, um einen weiteren Diebstahl zu verhindern und diese auch als Rekonstruktionsvorlage zu verwenden." Zuvor soll der entstandene Schaden durch einen Restaurator und die Denkmalschutzbehörde geprüft werden, hieß es weiter.

Es gab noch mehr Diebstähle

Nach Angaben der Stadtverwaltung handelt es sich um den ersten Schaden, den die Landeshauptstadt Magdeburg an der Gruson-Gendenkstätte verzeichnet. Andere Diebstähle auf Friedhöfen hatte es aber bereits gegeben. So wurden 2017 auf dem Südfriedhof mehrere Kupferelemente von historischen Grabstellen gestohlen. Auf dem Westfriedhof waren es im selben Jahr Bronzeketten von historischen Grabstellen sowie Kupferrohre von Gebäuden. Auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof im Nordpark wurde in der Vergangenheit eine Kupfertafel entwendet.

Engel von Neustadt fehlt bis heute

Auch von kirchlichen Friedhöfen sind Diebstähle bekannt. Der repräsentative und tonnenschwere kupferne Engel vom Neustädter Friedhof ist seit seinem Diebstahl 2012 bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Auf den Diebstahl bei Gruson reagierten erwartungsgemäß insbesondere die Mitglieder des Fördervereins der Gruson-Gewächshäuser sauer. Roswitha Gerber gehört zu ihnen: „Wir vom Förderverein, viele Magdeburger und auch Angehörige der Grusonnachkommen sind sehr wütend über die pietätlose Schändung und Zerstörung des Grabmals eines bedeutenden Magdeburgers, der auch Ehrenbürger unserer Stadt ist."

500 Euro Belohnung

Roswitha Gerber will deshalb nichts unversucht lassen, um den Diebstahl aufzuklären und die gestohlenen Teile zu finden.  Für die Wiederbeschaffung des Kranzes lobte sie eine Belohnung von 500 Euro aus.

Wer sachdienliche Hinweise zur Aufklärung der Straftat am Grusongrab geben kann, wird gebeten, sich bei der Polizei Magdeburg zu melden unter Telefon 546 32 92.