Berlin (dpa) - Bundesliga, French Open, EM 2020: viele Sportevents fallen in der nächsten Zeit der Coronakrise zum Opfer. Auch der E-Sport muss sich an die neue Lage anpassen. Einige Ligen mussten pausieren, viele mit Publikum geplanten Finalspiele wurden abgesagt.

Die achte Woche der europäischen League-of-Legends-Liga LEC wurde nur wenige Stunden vor Start verschoben, weil ein Mitarbeiter möglicherweise mit dem Virus in Kontakt gekommen war. Die Fans der Liga mussten damit auf ihr Wochenendprogramm verzichten - doch sie bekamen eine Alternative geboten.

Kurzfristig wurden Trainingsspiele organisiert, in denen zehn LEC-Profis in gemischten Teams gegeneinander antraten. Bis zu 15.000 Zuschauer gleichzeitig schalteten dabei über zwei Tage bei den Übertragungen der LEC-Kommentatoren ein, die auf der Streamingplattform Twitch zu sehen waren.

Für Jacob "YamatoCannon" Mebdi, Experte bei den offiziellen Übertragungen und einer der Kommentatoren der Trainingsspiele, war das jedoch nur ein schwacher Trost. "Es war nett, aber in normalen Bedingungen hätte ich die reguläre Übertragung vorgezogen."

E-Sport hat gegenüber anderen Sportarten einen großen Vorteil: Spiele können auch von Zuhause vor dem eigenen PC stattfinden. Das nutzen auch Formel-1-Fahrer, deren Saisonauftakt in Australien auf unbestimmte Zeit verschoben worden war. Beim sogenannten "Not the Aus GP" wurde das Rennen von 20 Fahrern im Spiel F1 2019 nachgespielt.

Unter den Teilnehmern waren sowohl E-Sportler, aber auch Rennfahrer wie Lando Norris vom Formel-1-Rennstall McLaren. Der Brite ist auch in seiner Freizeit als Streamer aktiv, beim "Not the Aus GP" schauten ihm sogar bis zu 50.000 Leute zu. Zum ebenfalls abgesagten Rennen in Bahrain ist für diesen Sonntag eine Fortsetzung geplant.

Ähnliches soll es auch im Fußball geben. Der Klub Leyton Orient aus England plant ein Benefizturnier in FIFA 20, in dem Fußballspieler an der Konsole gegeneinander antreten sollen. Für die Idee konnte der Viertligist 128 Clubs aus ganz Europa überzeugen. Die Spendeneinnahmen sollen kleinen englischen Fußballvereinen helfen, die durch die Spielpause in finanzielle Schwierigkeiten geraten, aber auch einer Sammelaktion für die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Doch im E-Sport sind die Pausen nur von kurzer Natur. Bereits diese Woche sollen die League-of-Legends-Ligen LEC in Europa und LCS in Nordamerika weitergehen, die Teams spielen jedoch nicht in den Studios, sondern von ihren jeweiligen Trainingsstätten aus. "Wir gehen zurück zu den Wurzeln, so haben wir früher Turniere gespielt", erinnert sich YamatoCannon an die Anfangszeit des LoL-E-Sports, in der er selbst als Spieler aktiv war.

Auch die Kommentatoren werden Zuhause arbeiten. "Wir würden es lieber im Studio machen, aber die Sicherheit geht vor", sagt YamatoCannon. "Es wird eine einzigartige und herausfordernde Erfahrung, aber wir haben die richtige Crew dafür."

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