Shanghai (dpa) - Die League-of-Legends-Weltmeisterschaft geht in die mit Spannung erwartete Hauptrunde. 16 Teams aus aller Welt spielen noch um den begehrten Titel, den sich seit Jahren stets Mannschaften aus Asien holten. Auch drei Teams aus Europa greifen weiterhin nach dem "Summoner's Cup".

G2 Esports profitierte als auf dem Papier bestes europäisches Team auf der Setzliste. Der Sieger der europäischen Liga LEC trifft auf Suning aus China, Machi Esports aus Taiwan, und Team Liquid aus Nordamerika. Summoner's-Inn-Kommentator Jona "JustJohnny" Schmitt sieht G2 dabei in der Pole-Position. "Von allen europäischen Teams hat G2 wahrscheinlich die leichteste Gruppe erwischt", sagt er im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. "Selbst der Gruppensieg sollte für G2 absolut machbar sein."

Schwierig wird es für G2 jedoch, den Finaleinzug 2019 zu toppen. Dafür müsste der Titel herausspringen. Trotz starker Leistungen zum Ende der Sommer-Saison zeigte sich G2 in diesem Jahr nicht unverwundbar, und musste teils sogar um den Einzug in die Playoffs kämpfen. Dennoch macht sich Johnny keine Sorgen um das Team: "Sie sind verdammt gut darin, in kürzester Zeit wieder wettkampfbereit zu werden. Wenn ein Team das noch einmal herumreißen kann, dann G2."

Fnatic trifft in Gruppe C mit LCS-Sieger TSM, Gen.G aus der koreanischen LCK, und LGD Gaming aus China auf erfahrene Teams. "Das Niveau in Gruppe C ist so hoch, dass aus meiner Sicht jeder jeden schlagen kann", sagt Johnny. "Das macht es dann natürlich schwer, weil du dir keinen einzigen schlechten Tag, nicht einmal ein schlechtes Game leisten darfst."

Auch letztes Jahr schaffte es Fnatic aus einer "Todesgruppe". Fnatic habe dennoch Schwächen, sagt der Kommentator: "Im Team existieren verschiedene Visionen darüber, wie man das Spiel spielen sollte. Man merkt relativ oft, dass sie nicht am selben Strang ziehen." Für den großen Wurf könnte daher am Ende etwas fehlen. "Gegen diese ultimativ besten Teams fehlt ihnen dieses kleine Bisschen, das G2 mitbringt."

Rogue, der dritte europäische Teilnehmer im Bunde, hatte wenig Losglück: Mit JD Gaming aus China und dem koreanischen Meister DAMWON Gaming warten zwei Brocken auf das noch sehr junge und unerfahrene Team. Für drei Spieler ist es der erste Auftritt auf internationaler Bühne. "Das sind so viele Eindrücke gleichzeitig, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass sie es aus der Gruppe schaffen", sagt Johnny.

Tristan "PowerOfEvil" Schrage, der mit FlyQuest in Gruppe D den europäischen Teams ausweicht, warnt Rogue im Interview mit der dpa vor großen Erwartungen: "Man sollte es einfach immer gleich angehen, und nicht immer die größten Erwartungen haben, dann kannst du dich meistens nur enttäuschen."

Trotz der starken Gegner gibt es für Rogue vielleicht auch Potenzial für Überraschungen. Die Erfahrung der Top-Teams sieht Johnny zwar als wichtiger an, dennoch gehe Rogue mit weniger Druck in das Turnier. "Ich würde mich freuen, wenn sie gegen einen dieser Turnierfavoriten einen Sieg holen oder selbst an den Rand einer Niederlage zwingen", sagt Johnny. "Wenn die Top-Teams gegen Rogue hinten liegen, dann werden die schwitzen, weil die wissen: Wir dürfen nicht verlieren."

Favoriten bleiben aber die chinesischen Teams, die sich zwei Jahre in Folge im Finale gegen europäische Teams durchsetzten. Fnatic-Botlaner Martin "Rekkles" Larsson freue sich dennoch auf die Duelle. "Sie spielen perfekt in Teamkämpfen und treffen viele gute Entscheidungen auf der Karte. Es ist interessant, ob man mit ihnen mithalten kann", sagte er auf einer Pressekonferenz.

G2-Jungler Marcin "Jankos" Jankowski zeigte sich zuversichtlich: "Wir sind auf jeder Position ebenbürtig, auch in der frühen Spielphase. Es wird darauf ankommen, wer in Teamkämpfen stärker spielt."

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Zeitplan der Weltmeisterschaft