Berlin/Hamburg (dpa) – Clemens hat eine Neue - Alexa. Es scheint der Klassiker zu sein: Der erfolgreiche Architekt verließ seine langjährige Ehefrau, um mit einer viel Jüngeren den zweiten Frühling zu erleben – hemmungslosen Sex inklusive.

So ist es für Clemens (Benjamin Sadler) auch selbstverständlich, mit seiner Alexa (Anna Unterberger) auf eine von ihm geplante Bergtour zu gehen, die er mit drei ehemaligen WG-Genossen aus Studienzeiten und deren Partnern unternehmen will. Die Freunde wirken von der Idee weniger begeistert. Denn sie stehen sich auch gut mit Clemens' drahtiger Ex Corinna (Juliane Köhler).

Doch dann kommt sowieso alles ganz anders. Denn urplötzlich stirbt der Mittvierziger den Herztod. Und es folgt "Eine harte Tour", so der Titel der Beziehungsgeschichte im Ersten am Mittwoch um 20.15 Uhr. Die Reise geht in die Südtiroler Alpen. Kumpel Ronnie (Roeland Wiesnekker), ein finanziell klammer Bauunternehmer, sagt anfangs zwar zur früheren Gattin: "Wir stehen total hinter dir, Corinna – das musst du wissen." Und die Sechs beschließen, eben allein loszuziehen. Doch Alexa kommt, nach einem Anruf des mitfühlenden Jonas (Thomas Loibl), einfach mit. An ihrer Anwesenheit entzünden sich - vor dramatischer Gipfelkulisse samt tiefer Schluchten – existenzielle Konflikte, die Feindseligkeiten, Anschuldigungen und Chaos mit sich bringen.

Mit einem hochkarätigen Darstellerteam, zu dem noch Anna Schudt, ihr Ehemann im wahren Leben Moritz Führmann, Elena Uhlig und Victoria Mayer gehören, hat Isabel Kleefeld das Drehbuch von Dominique Lorenz lebenserfahren in Szene gesetzt.

Besonderes Ansehen erwarb die Regisseurin 2018 für ihren preisgekrönten, mit Schudt in der Hauptrolle besetzten Fernsehfilm "Aufbruch in die Freiheit" über die Abtreibungsgesetze in den 70er Jahren. In "Eine harte Tour", einer Produktion der Roxy Film für Das Erste, nimmt sich Kleefeld nun Befindlichkeiten und Lebenslügen vielleicht typischer Vertreter des deutschen akademischen Mittelstands von heute in ihrer Lebensmitte vor.

Die bereden beim Wandern, angesichts ihres traurigen Verlusts und provoziert durch die Anwesenheit Alexas, ihre bisher gut versteckten Sorgen und Sünden - von Sexproblemen und Ehebruch bis zu Geldgier. Dabei machen facettenreiche Typenzeichnungen und feine Zwischentöne den unterhaltsamen, mit sanfter Popmusik unterlegten Film aus. Der Sender präsentiert ihn als "Komödie". Doch das trübe Geschehen mit offenem Ende erlaubt wohl auch, ihn eher als Drama zu betrachten.

"Ich habe das Drehbuch gelesen und mich wie verrückt amüsiert – das war wie von der Komödienautorin Yasmina Reza in Potenz", erzählt etwa Moritz Führmann, der den sanften Idealisten Dominik verkörpert, der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. "Doch dann haben wir es gespielt - und man merkte, wie viele Schichten darunter liegen. Die Leichtigkeit blieb an vielen Stellen - aber am Ende ist beides darin. Man könnte also Tragikomödie sagen", meint der Schauspieler.

Für Schudt, die Darstellerin der in ihrer öden Ehe gefangenen Ulrike, kreist die Geschichte vor allem "um die Frage, wer bleibt, wenn man über den Gipfel geht und in die zweite Lebenshälfte hineinrutscht. Und was passiert, wenn einer wegfällt - was der Verlust mit einem macht", sagt der Star der dpa. Natürlich gehe es auch um langjährige Ehen, um das, was sich eingefahren hat. Daher sehe sie den Film auch nicht als Komödie, erklärt Schudt.

Fügt aber hinzu: "Ich empfinde das Ende als extrem positiv. Da ist Blut, in diesem Falle Freundschaft, dicker als Wasser. Freundschaft größer als Konflikte. Man kann mit vielen Dingen weitergehen. Der Rucksack wird nicht leichter, aber zusammen kann man ihn besser tragen. Denn jeder hat sich mit sich selbst auseinandergesetzt - es gibt keine Verdrängung mehr."

Eine harte Tour