Berlin (dpa) - Heiligabend steht vor der Tür. Was liegt da näher, als direkt vor dem Fest noch ein hübsches TV-Märchen zu zeigen? Es heißt "Stenzels Bescherung" und ist am Montag um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.

Herr Stenzel (Herbert Knaup) macht Urlaub. Zusammen mit seiner Gattin, der Ärztin Barbara (Johanna Gastdorf), fährt er im Wohnmobil durch die schön verschneite Landschaft in Schweden. Plötzlich tauchen Polizeiautos auf, er wird aus dem Wagen heraus verhaftet, seine Frau bleibt hilf- und ratlos zurück.

Es folgt ein Rückblick: Der stets pünktliche Filialleiter Stenzel empfängt den jungen Karrieristen Tutz (Constantin von Jascheroff), der vom neuen Eigentümer der "Stadtbank" zur Abwicklung der Filiale im märkischen Strausberg bei Berlin geschickt wurde. Nun macht er sich in Stenzels Büro breit, was dem natürlich gar nicht passt.

So kommt Stenzel auf eine verwegene Idee: Er entdeckt im Computer mehrere brachliegende Konten von Verstorbenen ohne Erben und gibt einen dringend benötigten Übergangskredit an die Kita des Ortes. Er behauptet, dass alles aus einem besonderen Geheimfonds namens "Bank hilft Nachbarschaft" (BHN) stamme, und schon bald klopfen weitere Interessenten bei ihm an.

Einen weiteren "Sonderkredit" bekommt etwa die junge Straßenmusikerin Jana (Anna Fischer), die ihn an seine verstorbene, musikalisch begabte Tochter Lisa erinnert. Doch die Sache hat einen Haken: Wenn nicht alle Kleindarlehen bis zur Filialschließung am Heiligen Abend zurückgezahlt sind, kommt Stenzel in Teufels Küche. Oder anders gesagt: Hinter schwedische Gardinen.

Herbert Knaup (63, "Die Kanzlei", "Dark") sagt im ARD-Interview über seine Figur, die einen nahezu perfekten gutherzigen Menschen abgibt: "Volkmar Stenzel ist beherrscht, akkurat, beamtisch und dienend. Er ordnet sich in ein System ein und liebt das täglich grüßende Murmeltier. Er würde bis zur Rente weiter grüßen, wären da nicht die Heuschrecken der Großbanken, die nur Profit in den Fühlern haben." Ihn habe die Aufgabe gereizt, einen Spießer an seine Lebensträume zu erinnern und für seine Glaubwürdigkeit und Identität zu kämpfen.

Das kommt gut und ohne erhobenen Zeigefinger rüber. Drehbuchautor und Regisseur Marc-Andreas Bochert (48, "Küss die Hand, Krüger") erzählt eine kleine, aber feine und herzerwärmende Geschichte, die sogar auf wahren Begebenheiten beruht und die berühmten "kleinen Leute" mit ihren Geldsorgen in den Mittelpunkt stellt. Teilweise gerät die Handlung etwas ins Stocken, nicht alles erscheint zwingend logisch, aber das macht nichts - denn es geht märchenhaft zu und selbstverständlich für alle Beteiligten gut aus - einfach eine schöne Bescherung.