Berlin (dpa) - Zwei Männer, beide End-Vierziger und vom Leben gezeichnet, sitzen jeden Tag an einer Bushaltestelle irgendwo in Brandenburg und reden über das Leben. Mehr passiert in der neuen ARD-Streamingserie "Warten auf'n Bus" auf den ersten Blick nicht - die Parallelen zu Samuel Becketts "Warten auf Godot" sind unverkennbar.

Wer sich allerdings von dieser schlichten Aufmachung abschrecken lässt, ist selbst schuld. Für die übrigen gibt es ab diesem Mittwoch um 18.00 in der ARD Mediathek und vom nächsten Mittwoch an um 22.00 Uhr im rbb Fernsehen viel zu entdecken.

Getragen wird das Serien-Konzept von den Hauptrollen: Hannes (Ronald Zehrfeld) und Ralle (Felix Kramer). Die zwei kennen sich seit vielen Jahren, genauso wie die beiden Berliner Schauspieler. Das Duo bekommt sich in die Haare und baut einander auf. Es geht um Freundschaft, das Leben, gleichzeitig auch um nichts. Das Herzstück sind die Dialoge.

Ronald Zehrfeld (43, "Was gewesen wäre") erinnert sich noch an seine Begeisterung für die Drehbücher, als er sie zum ersten Mal gelesen hat. "Sowas hatte ich noch nicht auf dem Tisch. Ich musste dreimal nachfragen bei meiner Agentur: Das will der rbb verfilmen, wirklich? Die trauen sich so etwas Reales, so etwas Pures?", sagt der mehrfach ausgezeichnete Schauspieler im dpa-Interview.

Auf den ersten Blick ist die Serie keinem Genre zuzuordnen. In "Warten auf’n Bus" gibt es keine Actionszenen, keine auffälligen Kostüme und keine aufwendigen Ortswechsel. "Wir nehmen uns in diesem Format die Freiheit, eine Geschichte zu erzählen, in der im Grunde nichts passiert", schreibt die Film- und Dokuchefin des rbb, Martina Zöllner, dazu.

Das könnte in elende Langeweile abgleiten. Doch Drehbuchautor Oliver Bukowski, vornehmlich für Theaterstücke und Hörbücher bekannt, hat die Charaktere von Hannes und Ralle sehr plastisch gezeichnet. Sie verkörpern die Realität, bestätigt Zehrfeld. "Ich kenne solche Menschen der Wendegeneration aus dem Freundeskreis meiner Familie. Ich war begeistert über die Vielschichtigkeit, die in der vermeintlichen Tristesse dort verhandelt wird", sagt Zehrfeld.

Am Ende jeder Folge erscheint die "struppig-schöne Busfahrerin" Kathrin, wie sie in der Serien-Vorschau beschrieben wird. Gespielt wird sie von Jöris Triebel. Gewartet wird irgendwie doch auf etwas - oder jemanden.

Die achtteilige rbb-Produktion wird im Rahmen der Streaming-Offensive der ARD zuerst in der Mediathek gezeigt. "Warten auf'n Bus" ist eine Serie, auf die sich der Zuschauer einlassen muss. Sie ist ein "Angebot zur Entschleunigung" in der heutigen Zeit, sagt Zehrfeld. Sie hält an, mal wieder einen Abend mit Freunden zu verbringen, um über das Leben zu reden und abzuschweifen.

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