Stendal l Für Anton Buchmüller aus Letzlingen war es ein ganz besonderer Moment, als er gestern Mittag in die DC-3 einstieg, die neben dem Tower des Borsteler Flugplatzes gerollt war. Ein besonderer Moment, der den heute 73-Jährigen an den 19. März 1949 zurückdenken ließ. Als Dreijähriger war er zusammen mit seiner Mutter in einer solchen Maschine aus dem abgeriegelten Westberlin nach Hannover-Langenhagen ausgeflogen worden, der Onkel mit seinen Beziehungen hatte das organisiert.

Besondere Ausstattung

„Ich wollte gar nicht einsteigen und habe immer gesagt: ‚Mama, es ist so dunkel da drinnen‘“, erzählte er gestern dem 64-jährigen Briten Richard Martin, der in Kalifornien lebt und dem das historische Flugzeug gehört. Im Inneren ist es aber nicht der typische „Rosinenbomber“ mit viel Laderaum, sondern mit Sitzecken und Sesseln gemütlich eingerichtet. Der Grund: Dieses Flugzeug wurde 1939 für den Air-Force-General Henry H. Arnold als „Dienstflieger“ ausgeliefert.

Richard Martin selbst fliegt nicht, das übernahmen gestern der Amerikaner Steve Craig und der Schweizer Hans Breitenmoser. Letzterer sprang gleich zweimal ein, weil die Stammpilotin nicht die Berechtigung zum Formationsflug hat. Darum übernahm der Schweizer, der bei der dortigen Luftwaffe auch für den Formationsflug ausgebildet wurde, das Steuer – während der Teilnahme an der Feier zum D-Day in der Normandie und gestern für den Flug vom Luftwaffenstützpunkt im niedersächsischen Faßberg nach Stendal.

Rosinenbomber in Stendal

Stendal (wo) l In Stendal landeten zwei historische Rosinenbomber, um an die Berliner Luftbrücke zu erinnern.

  • Um die Mittagszeit landeten die Flugzeuge auf dem Flugplatz Borstel. Foto: Donald Lyko

    Um die Mittagszeit landeten die Flugzeuge auf dem Flugplatz Borstel. Foto: Donald Lyko

  • Die Flieger glänzten in der Sonne. Foto: Donald Lyko

    Die Flieger glänzten in der Sonne. Foto: Donald Lyko

  • Auch kleinere Flugzeuge vom Typ

    Auch kleinere Flugzeuge vom Typ "T6" waren am Start. Foto: Donald Lyko

  • Eigentümer Richard Martin öffnete die Gangway seines Flugzeugs. Foto: Donald Lyko

    Eigentümer Richard Martin öffnete die Gangway seines Flugzeugs. Foto: Donald Lyko

  • Ein Blick in die Kabine. Foto: Donald Lyko

    Ein Blick in die Kabine. Foto: Donald Lyko

  • So sieht das Cockpit aus. Foto: Donald Lyko

    So sieht das Cockpit aus. Foto: Donald Lyko

  • Die Flieger gaben ein schönes Bild ab. Foto: Donald Lyko

    Die Flieger gaben ein schönes Bild ab. Foto: Donald Lyko

Der Besuch von zwei Douglas DC-3, den sogenannten Rosinenbombern, gehört zum einwöchigen Programm, mit dem der Förderverein Luftbrücke Berlin 70 derzeit an eben diese weltweit bisher einmalige Hilfsaktion erinnert. 1948/49 war mehr als ein Jahr lang der abgeriegelte Westteil Berlins mit Flugzeugen aus Westdeutschland mit Lebensmitteln, Kohle und anderem versorgt worden.

Begleitet wurden die DC-3 gestern von vier einmotorigen T-6. Sie hatten zwar nichts mit der Luftbrücke zu tun, passen aber zeitlich sehr gut zu den „Rosinenbombern“. Gegen 9.30 Uhr sollten sie ursprünglich ankommen, gelandet sind sie dann gegen 12.15 Uhr.

Dennoch haben viele Interessierte gewartet, um sich die Maschinen einmal aus der Nähe anzuschauen und sogar einen Blick hinein zu werfen, auf jeden Fall aber viele Fotos zu machen. Für das Wochenende ist zwar geplant, dass mehrere DC-3 und weitere Maschinen am Nachmittag auf ihrem Weg nach Berlin in einer Formation Stendal überqueren, aber die Zeit dafür lässt sich nicht genau sagen.