Parchen l Das erste Jahr in der Fußball-Kreisoberliga ist für die TSG Parchen alles andere als gewöhnlich. Die „Cinderella-Story“ – noch vor zwei Jahren stellte der 1964 gegründete Verein das schlechteste Team im Jerichower Land – wurde durch die Aussetzung des Spielbetriebs gestoppt. Spielertrainer Christian Vormeister brachte den Erfolg nach Parchen, steht nun aber wie viele Amtskollegen vor einer großen Herausforderung. „Egal, wie die Entscheidung des DFB ausfallen wird, ob die Saison für beendet erklärt oder ob weitergespielt wird, wir wollen in der Kreisoberliga bleiben. Das ist unser Plan. Wir waren im Laufe der Saison auch keinesfalls chancenlos, wir hatten nur manchmal das Glück nicht auf unserer Seite“, so formuliert Parchens Spielertrainer noch mal das Ziel für die aktuelle Saison 19/20.

Ein prüfender Blick auf die Tabelle: Mit elf Punkten Vorsprung auf Tabellenschlusslicht Hohenwarthe scheint der Verbleib in der Kreisoberliga bereits sicher, nun würde es gelten, das Punktekonto noch ein wenig aufzubessern. Mit den bisher abgesagten Spielen gegen Union Heyrothsberge II, Hohenwarthe und den TSV Brettin/Roßdorf wären vielleicht noch ein paar Zähler hinzu gekommen. „Darüber zu debattieren bringt uns allerdings nichts. Wir warten auf die finale Entscheidung, die hoffentlich bald fallen wird. Ich habe die Mannschaft in jedem Fall angehalten, sich fit zu halten und dem einen oder anderen bin ich schon beim Laufen begegnet“, freut sich Vormeister über das Engagement seiner Mannschaft.

Team hält sich fit

Er selbst arbeitet weiterhin an Kondition und Schnelligkeit, auch wenn das Spielerische durch fehlende Einheiten auf dem Platz derzeit hinten ansteht. „Aber auch das bekommen wir hin, sofern das Training bald weitergehen kann“, ist sich der Spielertrainer sicher.

Seit Dezember trainiert die TSG normalerweise dienstags und donnerstags in einer Trainingsgemeinschaft mit dem Tabellenersten Borussia Genthin. „Das Team rund um Trainer Sebastian Kroll hat ähnliche Probleme wie wir. Sie bekommen mangels Beteiligung kein gescheites Training auf die Beine gestellt und so haben wir uns entschlossen, es zusammen zu versuchen“, erklärt Vormeister den ziemlich einmaligen Vorgang, dass zwei Liga-Konkurrenten gemeinsame Sache machen. Das Training mit dem Titelanwärter bringt fraglos einige Vorteile: „Wir verbessern damit nicht nur unser Niveau am Ball, manch einer erhält auch ein besseres Fußballverständnis und kann sich das eine oder andere abschauen.“ Auch deswegen, so ist sich der Stürmer sicher, „sind wir auf einem guten Weg.“

Vormeister blickt selbst auf eine lange Karriere zurück. Nachdem in der D-Jugend in Parchen wegen fehlender Beteiligung mit verschiedenen Jahrgängen gemeinsam gespielt werden musste, entschied er sich, im B-Jugendalter für den benachbarten SV Germania Güsen aufzulaufen, obwohl er dafür anfangs noch zu jung war. „Damals habe ich ziemlich viel gelernt, auch aus den Klatschen, die es regelmäßig gab. Dann darf man den Kopf nicht in den Sand stecken. Das gebe ich noch heute an meine Mannschaft weiter“, lacht der Spielertrainer.

Eine lange Karriere

Nach wechselvollen Jahren im Männerteam des SV Germania, der zwischen Kreisoberliga und Landesklasse pendelte, entschied sich Vormeister 2018 bewusst für die Rückkehr zu seinem Heimatverein. „In Parchen bewegt sich etwas“, hatte Fußball-Abteilungsleiter Stephan Rempke bereits Anfang des vergangenen Jahres bemerkt, als die erste Herrenmannschaft noch in der Kreisliga spielte. Das blieb dem heimatverbundenen Stürmer nicht verborgen und mit ihm wechselten weitere Spieler wie Viktor Brakowski, Andreas Henning und Christopher Kopp aus Güsen oder Norman Stärke von Lok Jerichow zur aufstrebenden TSG.

So folgte bereits nach einer Saison mit dem Meistertitel der Aufstieg in die Kreisoberliga, in der sich Vormeister und sein Team bewährt haben. „Zusammenhalt wird bei uns groß geschrieben. Wir sind als Mannschaft vor allem in der Kreisoberliga an unseren Aufgaben gewachsen. Gegen die Spitzenteams reicht unser Niveau noch nicht aus, wenn vielleicht auch mal an einem guten Tag ein Unentschieden möglich wäre. Aber auch daraus lernen wir“, so der Trainer.

Ziel: eigener Nachwuchs

„Ich würde mir wünschen, dass wir uns in der Liga bewähren können und dass die Herrenmannschaft in Parchen auch in Zukunft erhalten bleibt. Vielleicht schaffen wir es irgendwann sogar, eigenen Nachwuchs auszubilden.“ Auch über das eigene Karriereende hinaus soll die TSG somit ein Ankerpunkt im Leben von Vormeister bleiben: „Wenn ich selbst irgendwann nicht mehr spielen kann, wird der Trainerposten eine wichtigere Rolle für mich einnehmen. Und unabhängig davon werde ich immer dem Verein angehören und ihn in jeder Form unterstützen.“