Lissabon (dpa) - Auch Joachim Löw wird genau hinschauen, wenn im Geister-Turnier der Champions League RB Leipzig und Paris Saint-Germain im Halbfinale aufeinandertreffen.

Vom sächsischen Fußball-Bundesligisten sind Marcel Halstenberg und Lukas Klostermann vom Bundestrainer für kommende Aufgaben in der Nationalmannschaft eingeplant. Der 2014-er Weltmeister Julian Draxler und Thilo Kehrer können sich bei PSG wieder empfehlen. Dass in Eric Maxim Choupo-Moting ein weitere ehemaliger Bundesligaspieler im Team von Paris-Coach Thomas Tuchel gefeiert wurde, überraschte wohl auch Löw.

JULIAN DRAXLER: Der gebürtige Gladbecker, schon seit 2017 bei Paris Saint-Germain, hat im Starensemble von Tuchel einen schweren Stand. Nach seiner Einwechslung im Viertelfinale gegen Atalanta Bergamo in der 72. Minute gelang PSG noch der 2:1-Sieg. Es war erst sein dritter Teileinsatz in der Königsklasse in dieser Saison, insgesamt durfte der frühere Schalker und Wolfsburger nur insgesamt 40 Minuten mitspielen. Lediglich 20 Pflichtspiel-Einsätze stehen für ihn 2019/20 zu Buche, immerhin schoss er dabei sieben Tore. Doch aus dem Schatten der Stars Neymar und Kylian Mbappé konnte sich Draxler nie lösen. Zudem stoppten ihn immer wieder Verletzungen und Erkrankungen.

Dennoch betonte Tuchel nach der Corona-Pause: "Er hat die Mentalität und Qualität, auf dem Platz und von der Bank aus zu helfen. Ich mag es, mit ihm zu arbeiten." Draxlers Vertrag in Paris läuft noch bis 2021, immer wieder wurde zuletzt über eine Rückkehr in die Bundesliga spekuliert. "Ich werde in den nächsten Wochen auf ihn zählen. Danach müssen wir uns über die Situation unterhalten und eine Entscheidung treffen", sagte Tuchel jüngst. Bei Löw fehlte Draxler zuletzt. Welche Rolle der 51-malige Nationalspieler nochmals im DFB-Team spielen kann, wird auch von seiner Rolle im Verein abhängen.

THILO KEHRER: Der gebürtige Tübinger will mit Paris den Henkelpott. Das wäre für Kehrer die persönliche Krönung einer Saison mit vielen Rückschlägen. 37 Millionen Euro hatte PSG im Sommer 2018 für den Defensivspieler an Schalke 04 überwiesen. Kehrer startete durch, kam in seiner Pariser Premieren-Saison gleich auf 40 Pflichtspiele. In der Nationalmannschaft gehörte er zu den Profiteuren von Löws erster Umbruch-Welle nach der misslungenen WM 2018.

"Wichtig wird sein, dass sie auch regelmäßig spielen und eine gute Form haben", hatte Löw nach dem letzten Länderspiel vor der Corona-Krise zu den Spielern geäußert, die wegen Verletzungen lange fehlten. Kehrer war von August bis Dezember 2019 wegen einer schweren Fußblessur nicht spielbereit. Später eroberte er sich bei PSG seinen Stammplatz zurück, teilweise als Rechtsverteidiger, teilweise in der zentralen Abwehr.

ERIC MAXIM CHOUPO-MOTING: Der Siegtorschütze des Viertelfinals sollte eigentlich gar nicht mehr dabei sein. Der Vertrag mit dem gebürtigen Hamburger, der wegen seiner familiären Wurzeln für das Nationalteam Kameruns spielt, war am 30. Juni abgelaufen. Doch die Verlegung der Champions League und der Abgang von Edinson Cavani eröffneten Choupo-Moting eine neue Chance. Der Stürmer hatte schon beim FSV Mainz 05 unter Tuchel trainiert. Nun kann er am Dienstag (21.00 Uhr/Sky und DAZN) gegen Leipzig auf den nächsten Coup hoffen.

Ablösefrei war Choupo-Moting 2018 nach Paris gekommen. Neun Tore in 49 Pflichtspiele hat er seitdem erzielt. Doch das wird niemanden mehr interessieren, wenn dem 31-Jährige nochmals so Spektakuläres gelingt wie gegen Bergamo. "Jeder weiß, dass wir überragende Einzelspieler haben, aber wir wollten es auch als Team aufs Feld bringen", sagte er nach dem Viertelfinale - und setzt auf eine Wiederholung.

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