Saarbrücken (dpa) - Vor dem Pokal-Kracher gegen seinen Herzensverein 1. FC Köln hat Dirk Lottner das große Kribbeln erfasst.

"Es ist ja kein Geheimnis, dass ich in dieser Stadt groß geworden bin, dass meine Familie dort nach wie vor lebt und dass ich mit dem Herzen an dem Verein hänge", sagte der Trainer des Viertligisten 1. FC Saarbrücken über den Traditionsclub vom Rhein.

Das Zweitrundenduell im DFB-Pokal gegen den Bundesliga-Aufsteiger an diesem Dienstag (18.30 Uhr/Sky) ist für den 47 Jahre alten Fußball-Lehrer daher etwas ganz Besonderes. "Ich habe lange davon geträumt, in einem Pflichtspiel mal gegen den 1. FC Köln spielen zu können", sagte Lottner unlängst in einem DFB-Interview. "Ich freue mich riesig darauf."

Von 1999 bis 2004 absolvierte Lottner für den FC insgesamt 161 Pflichtspiele, in denen er 54 Tore erzielte. Durch sein Auftreten auf und neben dem Platz erlangte er damals Kultstatus bei den Anhängern. Den hat er bis heute nicht eingebüßt.

"Zum einen war ich kein schlechter Kicker und habe auch das eine oder andere Törchen erzielt. Zum anderen war ich immer sehr authentisch und ganz nah dran an den Fans. Immer wenn es nicht so lief, wurde ich vorgeschoben, den Kontakt mit den Fans zu suchen", erzählte Lottner dem Saarländischen Rundfunk. "Alle diese Faktoren spielen eine Rolle, dass man auch nach seiner aktiven Karriere noch einen gewissen Status hat." Zumal er den Kontakt bis heute hält.

Obwohl Lottner seit 2013 keine Funktion mehr beim 1. FC Köln inne hat, schaut er immer noch gelegentlich am Geißbockheim vorbei. Denn die Domstadt, wo der frühere Mittelfeldspieler geboren wurde und nach seiner Profi-Laufbahn sieben Jahre als Trainer in verschiedenen Mannschaften arbeitete, blieb stets sein Hauptwohnsitz. "Leider komme ich immer seltener dazu, mir Spiele des FC anzusehen. Ich bin in Saarbrücken einfach total eingespannt", berichtete Lottner. "Umso schöner ist es, dass wir uns nun zum DFB-Pokal mal alle wiedersehen."

Rücksicht auf die alten Freunde will er dabei nicht nehmen. "Wir werden versuchen, dem 1. FC Köln weh zu tun und ihn aus dem DFB-Pokal zu befördern", versprach Lottner dem Favoriten einen großen Kampf. Ein Sieg sei zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber: "Im Pokal ist alles möglich."

Die Generalprobe verlief beim 5:0-Ligasieg gegen Kickers Offenbach am vergangenen Samstag schon mal verheißungsvoll. Die Kölner sind also gewarnt. "Wir wissen, was auf uns zukommt, und nehmen das Spiel zu 100 Prozent ernst. Aber wir sind voll im Saft und wollen in die nächste Runde einziehen", sagte FC-Trainer Achim Beierlorzer.

Ein sportlicher Coup würde sich für den souveränen Tabellenführer der Regionalliga Südwest, der einst in der Bundesliga kickte, auch finanziell auszahlen. Nachdem der Traditionsverein bisher schon mehr als eine halbe Million Euro im Pokal eingenommen hat, gäbe es bei einem Einzug in das Achtelfinale vom DFB 702 000 Euro oben drauf - eine fette Prämie für einen Viertligisten. Und vielleicht käme Lottner damit einem anderen großen beruflichen Wunsch etwas näher. "Irgendwann mal als Cheftrainer beim FC die Verantwortung zu tragen, das ist schon mein absoluter Traum", verriet er dem "Express".

Lottner-Interview auf DFB-Homepage

Ansetzungen 2. Runde DFB-Pokal

Kader 1. FC Saarbrücken