Köln (dpa) - Lukas Podolski fieberte in der Türkei 90 Minuten mit. Doch fast noch mehr als die Leistung seines geliebten 1. FC Köln ärgerten den Weltmeister von 2014 die Verklärungen danach.

"Es ist zu billig und zu einfach zu sagen: Wir haben eine Reaktion gezeigt. Da muss mehr kommen", sagte die Kölner Vereins-Ikone (35), die eine Rückkehr als Spieler zum FC ausschloss, bei Sky 90.

Letztendlich verschaffte das 0:0 gegen Hertha BSC Markus Gisdol zwar eine Verschnaufpause. Der "Schritt in die richtige Richtung", als den der Trainer es verkaufte, war aber bestenfalls ein klitzekleiner. So darf Gisdol die beiden Reisen in seine Vergangenheit zwar bestimmt noch mit dem FC antreten. Sollte er in dieser Woche in den Duellen mit seinen Ex-Clubs auf Schalke und in Hoffenheim aber nicht punkten, dürften es seine letzten Spiele als FC-Coach sein.

Am Samstag sah aber auch Sportchef Horst Heldt, der dem Trainer im Vorfeld nur eine Job-Garantie für das Hertha-Spiel gegeben hatte, das Positive. "Das 0:5 in Freiburg war nicht leicht zu verkraften", sagte er der "Bild-Zeitung": "Ohne durch die Rot-Weiße-Brille zu schauen: Nach so einer deftigen Niederlage war das schon eine Reaktion unserer Mannschaft." Für Gisdol war es "das Wichtigste gewesen, dass die Null steht." Insofern hat sein Team das Mindestziel erreicht. Doch letztlich war es ein glücklicher Heim-Punkt in einem trostlosen Spiel gegen einen ebenfalls verunsicherten Gegner. Ein Befreiungsschlag sieht anders aus. Zumal der FC jede Kreativität vermissen ließ und eine Spielidee für die Offensive kaum zu erkennen war.

Und die Zahlen sind alarmierend: 14 Heimspiele ohne Sieg sind nur noch eins weniger, als es einst Tasmania Berlin erdulden musste. Und auch der Bundesliga-Rekord der Hertha und von Greuther Fürth (je 17) ist nicht mehr weit. Hinzu kommen mehr als fünf Spiele oder 485 Minuten ohne Tor. Im Jahr 2021 gelang dem FC noch gar kein Treffer. Deshalb steht Gisdol weiter kräftig unter Druck, wenn es am Mittwoch zunächst nach Schalke geht, eines von nur zwei noch hinter dem FC stehenden Teams. Und vier Tage später zur TSG Hoffenheim, die mit vier Punkten Vorsprung auf die Kölner noch in Schlag-Distanz liegt.

Bei beiden hat Gisdol eine Vergangenheit. Auf Schalke war er von 2011 bis 2012 Assistent von Ralf Rangnick und Huub Stevens, ehe ihn nach der Trennung von Stevens ausgerechnet der damalige Schalke-Manager Heldt feuerte, statt ihn zum Chef zu befördern. In Hoffenheim war er von 2009 bis 2011 zunächst Coach der 2. Mannschaft und von 2013 bis 2015 dann des Bundesliga-Teams, das er 2013 in der Relegation vor dem Abstieg bewahrte. Mit diesem Szenario wären in Köln die meisten in dieser Saison inzwischen schon zufrieden.

Gisdol bemühte sich aber, den Druck vor den beiden Partien möglichst kleinzuhalten. "Da wird mir zu viel reininterpretiert", sagte er: "Nach diesen Spielen wird keine Entscheidung gefallen sein. Und auch keine Vorentscheidung. Deshalb sollten wir nicht zu viel Gewicht in die einzelnen Spiele reinlegen." Für seine persönliche Situation werden sie aber sehr wichtig sein.

Der Kollege, den der FC im November 2019 noch vor Gisdol holen wollte, steht derweil nicht viel besser da. Denn auch für die Hertha war das 0:0 kein Durchbruch. Und so steht auch Bruno Labbadia weiter unter Druck. Für ihn geht es am Dienstag zunächst gegen Hoffenheim und dann gegen Bremen, auch einen Ex-Club. Für Labbadia ist das allerdings Routine. Bei sieben der 17 Liga-Rivalen hat er als Spieler oder Trainer schon gearbeitet.

© dpa-infocom, dpa:210117-99-58836/3

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