Wolfsburg (dpa) - Die nächste Woche wird noch einmal teuer für Bruno Labbadia.

An diesem Montag fliegt der VfL Wolfsburg für eine sechstägige Saisonabschlussreise nach China, und auf dem Programm stehen neben ein paar Repräsentationsterminen und einem Freundschaftsspiel gegen Eintracht Frankfurt: Einfach weiterzufeiern, was es seit diesem furiosen letzten Bundesliga-Spieltag zu feiern gibt. Da ist einmal die direkte Qualifikation für die Europa League. Und dann noch der Abschied eines erfolgreichen Trainers.

"Das kann man sich gar nicht erträumen", sagte Labbadia nach dem 8:1 (3:0) gegen den FC Augsburg. "Alles, was man die ganze Saison über von dieser Mannschaft gesehen hat, hat sie heute noch einmal in die Waagschale geworfen: Leidenschaft, Bereitschaft, Torchancen, immer dranzubleiben, nie aufzugeben. Und ganz ehrlich: Wir lassen jetzt die Sau raus mit dieser Mannschaft."

Dass der 53-Jährige den VW-Club in nur 15 Monaten vom Fast-Absteiger zum Europapokal-Kandidaten geformt hat, war schon außergewöhnlich genug. Dass der VfL dann auch noch am letzten Spieltag mit dem höchsten Sieg seiner Bundesliga-Geschichte auf Platz sechs sprang und sich dadurch drei strapaziöse Qualifikationsrunden bis zur endgültigen Europa-League-Teilnahme ersparte: Das war für Labbadia "das I-Tüpfelchen". Und der Beweis, dass man selbst "in einem Werksclub", wie er sagte, "so viele Emotionen" entfachen könne.

Zuneigung hat der frühere Trainer des VfB Stuttgart und Hamburger SV in Wolfsburg nicht immer nur verspürt. Noch im Frühjahr 2018 wurde er von den gleichen Fans, die ihn an diesem Samstag lautstark feierten, unverhohlen verhöhnt ("Wir steigen ab, wir kommen nie wieder, wir haben Bruno Labbadia"). Und dann ist da auch noch das Verhältnis zum Geschäftsführer Sport, Jörg Schmadtke, das von Anfang an so belastet war, dass der Trainer seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängerte.

Beide mochten und mögen sich nicht, aber sie gingen damit so konsequent und professionell um, wie das in diesem grell ausgeleuchteten Geschäft nur selten passiert. Sie verkündeten schon im März die Trennung, sie umarmten sich auch am Samstag bei der Verabschiedung von Labbadia nur äußerst dezent - aber sie arbeiteten in den vergangenen Wochen einfach weiter erfolgreich zusammen.

Wout Weghorst (21./37./55. Minute) und Daniel Ginczek (57.) zum Beispiel schossen auch diesmal neben Robin Knoche (41.), Elvis Rexhbecaj (60.), Josip Brekalo (82.) und Kevin Danso (89./Eigentor) wieder die Hälfte aller Wolfsburger Tore. Mit den beiden Stürmern und dem Franzosen Jerome Roussillon landeten Trainer und Sportchef vor dieser Saison auf dem Transfermarkt nur Volltreffer. Ihre letzten gemeinsam verkündeten Coups: Die umworbenen Roussillon und Kapitän Josuha Guilavogui verlängerten ihre Verträge an diesem Wochenende vorzeitig bis zum 30. Juni 2023.

Labbadia habe einen "großen Anteil an diesem Erfolg", sagte Schmadtke. "Das ist nicht wegzureden. Das habe ich nie getan und das werde ich heute auch nicht tun." Trotz der frühzeitigen Verpflichtung eines Nachfolgers (Oliver Glasner) denkt der Geschäftsführer Sport auch gar nicht daran, nach Labbadias Weggang alles anders zu machen. "Die Basis stimmt", sagte er. "Aus Zufall wird man in der Bundesliga nicht Sechster. Wir werden wie jedes Jahr sehen, was wir noch verbessern können. Aber eine neue Combo müssen wir nicht aufstellen."

Und was macht Labbadia? Der erklärte in der vergangenen Woche, eher ins Ausland als zu einem anderen Bundesligisten gehen zu wollen. Seine genaue Zukunft lässt er aber noch offen. Nach der Rückkehr aus China stünden noch "zwei, drei Gespräche an. Mal sehen, ob daraus etwas wird. Sonst ist erstmal Pause angesagt", meinte er. "Ich freue mich riesig, diese Mannschaft nächste Saison entweder im Fernsehen oder sogar live zu sehen. Je nachdem, wo ich dann sein werde."

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