Köln (dpa) - Ein Interview auf Deutsch hatte er gegeben, auf seine unglückliche Zeit in Mönchengladbach wollte "Lucky Luuk" aber nicht mehr eingehen.

"Dass dieses Spiel in Deutschland stattfand, ist schon etwas Besonderes", sagte der Niederländer nach seinem großen Tag beim 3:2 (2:2) mit dem FC Sevilla im Europa-League-Finale gegen Inter Mailand: "Denn es ist nahe meiner Heimat." Das Gelderland, wo de Jong aufgewachsen ist, ist rund 200 Kilometer vom Finalort Köln entfernt.

Weil er als erster Spieler zwei Kopfball-Tore in einem Europacup-Finale erzielte, war de Jong am Ende der Matchwinner. Wogegen der scheinbar für die Rolle vorgesehene Inter-Stürmer Romelu Lukaku durch sein Eigentor zum 2:3 am Ende zum Pechvogel geworden war. Und sich durch das Schwänzen der Siegerehrung auch noch als schlechter Verlierer präsentierte.

De Jong trat derweil als bescheidener Gewinner auf, der auch schon andere Zeiten erlebt hat. Bei der Borussia erinnert man sich an de Jong als einen der größten Transfer-Flops des vergangenen Jahrzehnts und großes Missverständnis. Als ein millionenschweres übrigens, denn er kam 2012 als 21-Jähriger für rund zwölf Millionen Euro aus Enschede und ging zwei Jahre später für weniger als die Hälfte nach Eindhoven. Dazwischen traf er nur sechsmal in 36 Bundesliga-Spielen.

Dabei war die Situation eigentlich schon früh verfahren. Gladbach-Manager Max Eberl, sonst vor allem als Entdecker ungeschliffener Diamanten bekannt, hatte Trainer Lucien Favre offenbar nicht den Stürmer-Typen geholt, den dieser gewollt hatte. Und so meckerte der heutige Dortmund-Trainer keine zwei Monate nach de Jongs Ankunft in Deutschland, dass man zu ähnliche Stürmer habe und die Mischung nicht stimme. Der als sensibel geltende de Jong wurde zum Zweifler. In den letzten 17 Spielen für Gladbach traf er gar nicht mehr und auch beim halbjährigen Leihgeschäft mit Newcastle United blieb er ohne jeden Liga-Treffer.

Erst in der Heimat in Eindhoven blühte er auf, die niederländischen Medien feierten ihn nach guten Spielen als "Lucky Luuk". Als Torschützenkönig der Eredivisie wagte er 2019 den nochmaligen Sprung ins Ausland nach Sevilla. Doch auch dort wurde er zunächst eigentlich nicht glücklich. Bis dieses Final-Turnier der Europa League kam, de Jong im Halbfinale gegen Manchester United als Joker das 2:1-Siegtor erzielte. Und sich nach der Startelf-Nominierung im Finale mit dem Doppelpack bedankte, der Rekord-Sieger Sevilla maßgeblich den sechsten Titel im kleinen Europacup bescherte.

Der Niederländer sei ein "unerwarteter Held" schrieb die Zeitung "Diario de Sevilla": "In der Liga hat er unbeständige Leistungen gezeigt. Aber das alles rückt nun in den Hintergrund. So eigenwillig ist Fußball." Die Lobeshymnen waren dem Helden schon unangenehm. "Für mich steht die Mannschaft immer an erster Stelle, nicht die Frage, ob ich Tore schieße", sagte er: "Aber der Mannschaft mit Toren zu einem Europacupsieg zu verhelfen, ist natürlich ein unglaubliches Gefühl."

Derweil scheint das Thema de Jong auch für die Gladbacher längst abgehakt. Bis Sonntagmittag gab es zumindest über die sozialen Medien keine öffentlichen Glückwünsche.

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