Osnabrück/Veitshöchheim (dpa/tmn) - In der Herbstsonne verfärben sich die grasig-grünen Birnen und nehmen goldgelbe Farbe an. Manche bekommen rote Bäckchen. Beide Merkmale können als untrügliches Zeichen für die nahende Reife angesehen werden. Erntezeit ist zwischen August und Ende Oktober.

Hubert Siegler, Referent und Versuchsingenieur der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim, findet Birnen "deliziös". Er schwärmt: Das Fruchtfleisch wird buttrig weich, schmeckt süß und erweist sich häufig als saftig. Dabei zählen die Steinzellen, die dem Fruchtfleisch Biss verleihen, zu den untrüglichen Zeichen einer jeden Birne. Diese griesigen, harten Körnchen sind im Prinzip Zellen mit verholzten Zellwänden.

Die Birne - ein wärmeliebender Baum

"Birnenbäume sind empfindlicher als Apfelbäume", sagt Werner Dierend, Professor für Obstbau an der Hochschule Osnabrück. Er führt aus, dass die Birnen Wärme - besonders in den Sommermonaten - lieben. "Daher ist die Birne ein beliebtes Spaliergehölz für eine Südwand", erläutert Dierend.

Der Professor weist darauf hin, dass die Witterung in den letzten acht Wochen vor der Reife entscheidend für die Geschmacksentwicklung ist. In kühlen Gegenden bildet sich nach Angabe von Siegler weniger Zucker und Aroma aus, aber es sind mehr Steinzellen vorhanden.

Der Boden macht die Frucht

Der Boden auf dem Birnen wachsen, sollte unbedingt durchlässig und frei von Staunässe sind. "Das ist vor allem bei Gärten von Neubauten zu beachten", sagt Dierend und erklärt, dass diese Böden durch den Einsatz von schweren Maschinen häufig tiefgründig verdichtet sind. Ideal sind humose, nährstoffreiche Böden.

Die Anforderungen an den pH-Wert hängen in erster Linie von der sogenannten Unterlage ab, denn Birnbäume werden veredelt. "Bei Bäumen auf schwächeren Unterlagen sollte der pH-Wert sauer bis neutral sein", rät Dierend. Anderenfalls kommt es zu Mangelerscheinungen, den sogenannten Mangelchlorosen, die man an untypisch hellgrünen Blättern leicht erkennt.

"Es macht Sinn, vor der Pflanzung eine Bodenprobe für eine Bodenanalyse an ein entsprechendes Labor einzusenden", sagt der Professor für Obstbau. So kenne man vor dem Pflanzeneinkauf die Bodeneigenschaften und könne sich darauf einstellen.

Die Unterlage hat indes in erster Linie eine Bedeutung für die Größe und Wuchsstärke eines Baumes. "Man sieht häufig sehr hohe Birnenbäume, die schwer zu beernten sind", beschreibt Dierend das Problem. Daher haben sich Quitten als schwachwachsende Unterlagen bewährt.

Birnbäume mögen Mulch

Regelmäßiges Mulchen der Fläche vom Frühling bis in den Herbst sorgt für eine gute Bodenbeschaffenheit. "Ab Herbst muss die Mulchschicht jedoch beiseite geräumt werden, um Mäuse nicht zusätzlich anzulocken und ihnen womöglich auch noch Schutz zu bieten", so Siegler.

Im Frühjahr düngt man die Bäume mit organischem Stickstoffdünger wie Hornspäne oder -mehl. Der Referent aus Veitshöchheim rät als Düngeempfehlung 60 bis 70 Gramm pro Baum.

Vorsicht Pilz: Falllaub im Herbst entfernen

Birnbäume sind relativ gesund wachsende Bäume. Dierend gibt allerdings zu bedenken, dass der sogenannte Birnengitterrost häufig vorkommt. "Es ist eine Pilzkrankheit, die nur das Blatt betrifft." Er erläutert, dass die Krankheit auffällig aber nicht allzu schädlich ist. "Aber natürlich sind das Wachstum und der Fruchtertrag geringer, wenn die Blätter stark befallen sind."

Es ist daher wichtig, dass man im Herbst das kranke Falllaub entfernt, um die Wirtskette zu durchbrechen. Häufig wird empfohlen, keinen Wacholder in der Nähe zu dulden, weil der Pilz diese Gehölze als Zwischenwirt nutzt. Das ist in Hinblick auf eine Neupflanzung von Wacholder richtig. Deshalb aber alteingewachsene Pflanzen zu entfernen, ist dennoch nicht ratsam. Wesentlich wichtiger ist es, Birne in Hinblick auf optimale Bodenverhältnisse zu stärken.

Beim Schnitt muss man wissen, dass Birnen dazu neigen sogenannte Wasserschosser zu bilden. "Man erkennt sie an dem geraden, nach oben gerichteten Wuchs und den langen Internodien. Das sind die Abstände zwischen den Blattansätzen", sagt Dierend. Diese Triebe müssen reduziert werden, weil sie für Schatten in der Krone sorgen.

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