Berlin l Nicht mal mehr drei Wochen sind es bis zur Handball-WM in Deutschland und Dänemark (10. bis 27. Januar). Für die unmittelbare Vorbereitung hat Bundestrainer Christian Prokop den bisherigen 28er Kader um zehn Spieler verkleinert. SCM-Linksaußen Matthias Musche ist aber weiterhin dabei.

Musche bleibt gelassen

Die ganzen dicken Glückwünsche zur Nominierung für den 18er Kader lehnt Matthias Musche noch ab. „Eine WM im eigenen Land spielen zu dürfen, ist natürlich ein absoluter Traum. Aber noch bin ich nicht definitiv dabei. Schließlich werden ja zwei Spieler kurz vor der WM noch gestrichen", so der Linksaußen des SC Magdeburg. Als bester Torschütze der laufenden Bundesliga-Saison wird es Musche aber gewiss nicht treffen.

Bundestrainer lobt Musche

Dafür glänzten die Augen des Bundestrainers bei der Kaderbekanntgabe mitten in der Berliner City unweit vom Hackeschen Markt gestern bei der Frage nach der Rolle Musches auch zu sehr. Für den Magdeburger ist auf seiner Position der Schatten hinter Kapitän Uwe Gensheimer allerdings riesengroß. Christian Prokop: „Natürlich wird seine Rolle ein bisschen anders sein als beim SCM, wo er ja oft sogar über 60 Minuten spielt. Aber mit seiner Emotionalität und Treffsicherheit ist er zusammen mit Uwe Gensheimer ein ideales Duo, von dem wir uns sehr viel erhoffen."

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SCM-Torwart Quenstedt auf Abruf

Dass SCM-Torwart Dario Quenstedt auf der Streichliste steht und nur bei Verletzungen der Stammtorhüter Andreas Wolff und Silvio Heinevetter nachrücken könnte, war dagegen zu erwarten.

Semper statt Häfner

Überraschend war lediglich, dass Europameister Kai Häfner auch nicht mehr zum Kader gehört und der Bundestrainer sich für den Leipziger Franz Semper entschied. Prokop: „Er kann der Mannschaft aktuell mehr geben. Und jeder, der dabei ist, hat sich die Nominierung mit starken Leistungen in der Liga und in den Lehrgängen verdient."

DHB-Boss zufrieden

Auch DHB-Präsident Andreas Michelmann nickte zustimmend: „Die Kaderzusammenstellung ist total logisch und zeigt, dass aus der EM in Kroatien die richtigen Konsequenzen gezogen wurden."

Prokop feiert Geburtstag

Bevor es am 10. Januar in Berlin gegen das Team Korea um die ersten Punkte geht, stehen ab 28. Dezember ein Trainingslager in Barsinghausen und zwei Tests gegen Tschechien (4. Januar in Hannover) und Argentinien (6. Januar in Kiel) an. Für den Bundestrainer gibt es zuvor noch ein anderes Highlight. Prokop feiert an Heiligabend seinen 40. Geburtstag. Prokop: „Das will ich auch nutzen, um noch mal bisschen runterfahren. Aber das Kribbeln ist natürlich trotzdem da. Eine Heim-WM ist schließlich etwas ganz Besonderes."

Öffentliches Training am 8. Januar

Den absoluten Erfolg kann auch mit dem Heimvorteil keiner garantieren. DHB-Vizepräsident Bob Hanning: „Unser Anspruch muss aber sein, es auf jeden Fall ins Halbfinale nach Hamburg zu schaffen." An der Euphorie rund ums Nationalteam dürfte es nicht liegen. Dass in Berlin eine Handball-WM beginnt, ist natürlich nicht an jeder Straßenecke spürbar und lediglich auf Plakaten zu sehen. Aber der Kartenverkauf läuft auf Hochtouren. Schon 93 Prozent der Tickets sind verkauft. Und am 8. Januar präsentiert sich das Team noch mal den Fans in einem öffentlichen Training.

Keine Bad-Boy-Identität

Vor drei Jahren stürmten die DHB-Jungs als Bad Boys zum EM-Titel. Prokop: „Auch wir setzen auf Teamarbeit und wollen in der Abwehr den Gegnern weh tun. Aber jetzt ist es an der Zeit für eine neue Identität. Und da sind uns speziell auf der Japan-Reise im Sommer paar Ideen gekommen."

Der 18er Kader des DHB für die WM

Tor: Andreas Wolff (Kiel), Silvio Heinevetter (Füchse)

Linksaußen: Uwe Gensheimer (Paris), Matthias Musche (SCM)

Rückraum links: Finn Lemke (Melsungen), Fabian Böhm (Hannover), Steffen Fäth (RN Löwen), Paul Drux (Füchse)

Rückraum Mitte: Martin Strobel (Balingen), Fabian Wiede (Füchse), Tim Suton (Lemgo)

Rückraum rechts: Steffen Weinhold (Kiel), Franz Semper (Leipzig)

Rechtsaußen: Tobias Reichmann (Melsungen), Patrick Groetzki (RN Löwen)

Kreis: Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler (beide Kiel), Jannik Kohlbacher (RN Löwen)