Magdeburg l Noch vier Sekunden waren im Finale des Olympischen Handball-Turniers in der Verlängerung zu spielen. Die DDR führte gegen die Sowjetunion mit 23:22. Der Olympiagastgeber hatte den Ball und spielte mit einer tollen Kombination Alexander Karschakewitsch frei. Doch Wieland Schmidt, einer von fünf SCM-Spielern, machte sich breit und lenkte den Ball mit dem Unterarm an die Latte. Die DDR war sensationell Olympiasieger.

Entscheidende Parade

„Daran denke ich natürlich gerne zurück und schaue mir die Szene auch immer mal wieder an. Dass wir die Sowjetunion in Moskau geschlagen haben, war wirklich unglaublich", erzählt Schmidt und weiß, dass es ohne diesen gehaltenen Ball ganz eng geworden wäre. Schmidt: „Es hätte eine zweite Verlängerung gegeben. Doch wir waren mit zwei Spielern in Unterzahl und hätten dann keine Chance mehr gehabt."

Damalige Top-Teams im Finale

In vielen anderen Sportarten mögen die Olympiasiege durch das Fehlen der westlichen Top-Nationen nicht so richtig goldig glänzen. Im Handball fehlte aber nur die Bundesrepublik. Selbst Dänemark schickte ein Team. Schmidt: „Wir haben die BRD im Mai 1980 bei einem Turnier mit 26:17 geschlagen. Deshalb bin ich der Meinung, dass die damals zwei weltbesten Mannschaften im olympischen Finale standen."

Goldmedaille am Bett

Die ganz große Party fand aber nicht direkt nach dem Spiel statt. Schmidt: „Wir waren alle ziemlich kaputt. Da brauchte man nur ein, zwei Bier und fiel überglücklich ins Bett. Meine Goldmedaille habe ich mir aber so hingestellt, dass ich beim Aufwachen sofort weiß, vom Olympiasieg nicht nur geträumt zu haben."

Medaille mit Kratzern

Inzwischen hat diese Medaille übrigens viele Kratzer. „Ich hole sie öfter mal raus und zeige sie den jungen Leuten bei den Handball-Camps. Die wollen sich damit dann auch fotografieren lassen und beißen dabei immer auf die Medaille. Aber nicht so schlimm. Meine Medaille lebt eben", erzählt der 66-Jährige, der bei den Frauen des HC Leipzig und beim DHB-Nachwuchs als Torwarttrainer arbeitet.

Siegesfeier an der Regattastrecke

Richtig gefeiert wurde damals an den Tagen danach an der Regattastrecke. Schmidt: „Es hatte sich herumgesprochen, dass es dort Budweiser-Bier gab. Also sind wir alle hin und haben feuchtfröhlich unsere Magdeburger Kanuten im Vierer-Kajak zum Olympiasieg geschrien." Sonst war es kaum möglich, bei anderen Sportarten live dabei zu sein. Schmidt: „Es war aber schon ein unvergessliches Erlebnis, die ganzen Sportler im olympischen Dorf zu sehen. Wie beispielsweise die hübsche italienische Hochspringerin Sara Simeoni."