Magdeburg l Schon das Testspiel gegen Tschechien am Freitag und seine beiden Treffer machten eines klar: Matthias Musche ist voll da. Körperlich – er hat seine Verletzung am linken Fuß auskuriert, ein dickes Sprunggelenk ließ den gebürtigen Magdeburger ja kurz vor Weihnachten plötzlich um das WM-Ticket zittern. Und mental sowieso. Schließlich träumt Musche schon seit zwölf Jahren von diesem Moment, bei einer WM im eigenen Land im Nationaltrikot über die Platte zu stürmen.

WM-Titel 2007 vor dem TV

„Als Deutschland 2007 Weltmeister wurde, war ich 14 Jahre alt, ich habe mit meinen Eltern und meiner Schwester vor dem Fernseher alles verfolgt und die Daumen gedrückt. Ich weiß noch genau, wie wir in der Vorrunde gegen Polen verloren und dann aber gegen Polen das Finale gewonnen haben. Damals war ich schon auf dem Sportgymnasium. Und diese WM hat mich zusätzlich motiviert, selbst mal Handballprofi zu werden und von einer WM im eigenen Land zu träumen. Jetzt wird dieser Traum wahr. Einfach schön“, erinnert und freut sich der 26-Jährige.

Als Magdeburger Kind und Aushängeschild des SCM wird er in seiner Heimatstadt oft erkannt. Doch nach der WM könnte dieser Rechtshänder mit dem Rauschebart jedem Fan in Deutschland ein Begriff sein. Musche: „Vor zwölf Jahren ist eine Rieseneuphorie um den Handball entstanden, beim Finale haben rund 16 Millionen Fans zugeschaut. Das zeigt, dass wir klar die Sportart Nummer zwei in Deutschland sind. Und es wäre fantastisch, wenn wir wieder so eine Begeisterung auslösen können.“

Musche ist ein Kind des SC Magdeburg

Für Musche ist Handball alles. Er liebt und lebt den Sport, hat sich das eine oder andere große Spiel aus den 70er und 80er Jahren auch auf Video angeschaut. Neben den Titeln der Nationalmannschaft stehen ja auch noch Clubs wie Gummersbach, Kiel und natürlich der SC Magdeburg für den deutschen Handball in der Welt. Musche: „Wir sind ja auch das Land mit den meisten großen Hallen. Da ist bei den Spielen immer etwas los, egal, wo man spielt. Und fast alle Topspieler sind in der Bundesliga unter Vertrag. Du musst in jedem Spiel immer alles geben. Die Bundesliga ist einfach die beste Liga der Welt.“ In der Musche aktuell souveräner Torschützenkönig ist.

Und wer steht als Typ besonders für den deutschen Handball? Da muss Matthias Musche nicht lange überlegen. „Kretzsche steht bei mir da ganz oben.“ Stefan Kretzschmar also. „Er hat ja auch beim SCM gespielt und war wie ich ebenfalls Linksaußen. Ein Vorbild war für mich aber auch Christian Zeitz. Dessen Spielstil hat mir immer sehr gefallen.“

Musche: Erinnerung an große Trainer

Bei den Trainern erinnert sich Musche natürlich zuerst an Heiner Brand, der 1978 schon als Spieler Weltmeister war und sich die WM-Krone vor zwölf Jahren auch als Coach aufsetzen durfte. Musche: „Auch Dagur Sigurdsson hat durch den EM-Titel 2016 einen wichtigen Platz im deutschen Handball.“

Durch die Reisen zu den Handballspielen ist Matthias Musche in Deutschland viel unterwegs, hat viele Orte kennengelernt. Musche: „Am liebsten bin ich aber in Magdeburg. Und als Kind war ich mit meinen Eltern oft im Bayerischen Wald. Das ist auch eine schöne Region.“

Bei der WM orientiert sich das deutsche Nationalteam aber eher in Richtung Norden. Morgen reist der DHB-Tross in Berlin an, wo das Team alle Spiele der Vorrunde absolviert. Dann soll es über die Hauptrunde in Köln nach Hamburg ins Halbfinale und dann am besten nach Dänemark ins Finale gehen.

Musche denkt von Spiel zu Spiel

Frankreich, Dänemark, Spanien, Kroatien – das sind für Musche die härtesten Gegner. Aber darüber will er vor der WM noch nicht reden. „Lasst uns nur von Spiel zu Spiel denken. Auf wen wir in der Hauptrunde treffen könnten und was daraus werden kann, interessiert mich derzeit nicht. Ich denke erst einmal nur an Korea.“

Sprich an den Auftakt am kommenden Donnerstag.