Leipzig l Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handballbundes und damit der höchste Repräsentant des Gastgebers der 23. Frauen-WM, hatte sich dem Anlass entsprechend in Schale geschmissen. Aufgeregt tigerte er im hellbraunen Anzug bereits eine Stunde vor dem Anpfiff am Spielfeldrand umher. Die Anspannung stand dem Bürgermeister von Aschersleben ins gerötete Gesicht geschrieben: „Fast zwei Jahre akribische Vorbereitung liegen hinter uns, jetzt wird es Ernst. Ich wünsche uns allen einen Auftakt nach Maß.“ Sei die erste Hürde genommen, „geht vieles leichter und die Nervosität legt sich etwas“.

Bis sich Michelmann in seinem gepolsterten Ehrenplatz ein wenig entspannter zurückzulehnen konnte, galt es allerdings eine Schrecksekunde zu verkraften: Kim Naidzinavicius zog sich bereits im zweiten Angriff bei einem Zweikampf eine Verletzung des linken Knies zu. Die 1,81 Meter große Rückraumspielerin aus Bietigheim wurde zu weiteren Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht. „Das war erst einmal ein Schockmoment für uns, und alle mussten schlucken“, gestand Friederike Gubernatis im Anschluss. „Kim ist wichtig für uns, wir haben auch für sie gewonnen.“

Die Mannschaft von Bundestrainer Michael Biegler rückte nach dem Ausfall ihrer Shooterin noch enger zusammen. Für die Afrikanerinnen gab es nach dem (1:1/2. Minute) fast kein Durchkommen mehr. Die vielen technischen Fehler und Fehlwürfe - ohne große Mühe herausgefischt von Keeperin Clara Woltering - nutzte Deutschland konsequent im Tempogegenstoß. Nach einem 5:0-Lauf vom 4:2 zum 9:2 (16.) war klar, wer an diesem Abend das Zepter fest in der Hand hält. Zwar konnte Kamerun durch ein paar unnötige Ballverluste der Ladies zwischenzeitlich zum 5:9 verkürzen (24.), doch mehr ließen sie bis zur Halbzeitpause nicht anbrennen.

DHB-Damen nach Pause stark

Nach dem Wiederanpfiff drückte Deutschland weiter auf die Tube. Beim 18:8 durch Gubernatis (am Ende zur beste Spielerin gekürt) betrug der Vorsprung erstmals zehn (39.) - beim Treffer der Ex-Magdeburgerin Antje Lauenroth zum 23:9 waren es sogar 14 Tore (45.).

Die zum Teil kräftigen Afrikanerinnen fielen nur noch durch ihre ruppigen, ungestümen Aktionen auf. Neun Zeitstrafen, dazu Rot für Yvette Yuoh (42.) und neun Siebenmeter sprachen Bände.

„Wir sind erstmal froh über die ersten zwei Punkte. Klar hat heute noch nicht alles gepasst, und wir mussten auch erstmal mit der Härte unserer Gegnerinnen und unserer Nervosität zurechtkommen“, atmete Keeperin Woltering nach der Partie einmal tief durch.

Deutschland: Kramarczyk, Woltering - Klein, Karolius 2, Loerper 5/4, Smits , Behnke 3, Naidzinavicius, Mannson 2, Huber 3, Fischer 4, Geschke 2, Lauenroth 2, Wohlbold 1, Gubernatis 4

Schiedsrichter: Arntsen/Roen (Norwegen). Zuschauer: 6000. Siebenmeter: Deutschland 9/7; Kamerun 63/. Zeitstrafen: 2 - 9 (Rot- Yuoh/42.)