Stendal l Lazarett, sowjetisches Offiziershaus, Ersatz-Theaterbühne und gelegentlich auch mal eine Schule – das heutige Haus B des Stendaler Winckelmann-Gymnasiums hat schon viele verschiedene Namen und Formen gehabt. Diese sind alle Teil einer nunmehr hundertjährigen Geschichte, denn während die gesamte Einrichtung sich allmählich auf ein Alter von sieben Jahrhunderten zubewegt, erreichte ein jüngerer Teil in dieser Woche das erste. Am 29. April 1919 wurde das Gebäude in der Moltkestraße kurz nach seiner Fertigstellung eingeweiht und erstmals als Mittelschule für Knaben in Betrieb genommen.

Die vielen Gesichter des Hauses B

Die allein stehende Geschichte des Gebäudes ist schwieriger aufzutreiben als die des Hauptgeländes, was davon verfügbar war, wurde allerdings schon vor vier Jahren zusammen getragen. Der Schriftsteller Dieter Schulze wählte als Thema seines siebten Buches die Schule, die er selbst besuchte, und fasste ihre Geschichte zusammen (Volksstimme berichtete). Schon damals war dies als Vorbereitung auf das hundertjährige Jubiläum gedacht.

Der Haus B-Werdegang beginnt noch etwas früher als vor 100 Jahren mit der Veranlassung einer neuen Mittelschule im Jahr 1913. Deren Bau begann 1915, mitten im Ersten Weltkrieg, durch den sich die Fertigstellung auch bis 1919 verzögerte. In der frisch eingeweihten Mittelschule fanden fortan Jungen, die vorher in der Brüderstraße den Unterricht besuchten, ihre neue Bildungsstätte.

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Diese wurde während der Nazi-Zeit noch stärker in die aktuellen Geschehnisse eingebunden und passte ihren Unterricht wie Schulen in ganz Deutschland der Nazi-Ideologie an. Bis 1945, als ihre Räumlichkeiten während der letzten Monate des Zweiten Weltkrieges zu Lazaretten umfunktioniert wurden. Der Unterricht musste unterdessen auf den Rest der Stadt ausweichen – dorthin, wo sich gerade Platz fand. Nach Kriegsende fielen die Schulstunden zunächst ganz aus, erst im November wurde der Betrieb unter dem Namen Comeniusschule wieder aufgenommen.

Stendals Abiturienten feiern den letzten S...

Stendal (wo) l An den drei Gymnasium und dem Beruflichen Gymnasium verabschiedeten sich die Abiturienten laut und farbenfroh von der Schule.

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  • Bunt bemalt und mit den obligatorischen Motto-Pullis ausgerüstet feierten die Schüler an der Berufsschule. Foto: Antonius Wollmann

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  • Für sie hat die Schulzeit bald ein Ende: Die Schüler der Stendaler Berufsschule. Foto: Antonius Wollmann

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  • Nach einer sehr  anzüglichen Tanzeinlage ging das Männerballett in ein Dirty Dancing-Tribut über.

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  • Der Hürdenlauf wurde mit verschiedenen Handycaps absorbiert. Eine Gruppe musste in Hackenschuhen drüber, die andere mit Augenbinden.

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  • Auch ein Klassiker unter den Spielen: Das Wettessen. Foto: Valerie C. Porath

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  • Ungeschminkt kommt keiner ins Schulhaus. Foto: Gerd Draschowski

    Ungeschminkt kommt keiner ins Schulhaus. Foto: Gerd Draschowski

  • Voll war es in der Aula des Hildebrand-Gymnasiums. Foto: Gerd Draschowski

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  • Machte den Abiturienten richtig Spaß: Die Haare der jüngeren spontan zu färben. Foto: Valerie C. Porath

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Dieser endete erneut mit der Beschlagnahmung der Russen, und in dem Offiziershaus gab es Unterricht zunächst nur für Kinder der sowjetischen Besatzer. Ein Restaurant und ein Kino, die dort eröffnet wurden, ermöglichten noch gelegentlich deutschen Besuch. Nachdem das Gebäude abgegeben wurde, stand es wieder einige Jahre leer – bis das Theater der Altmark dort sein Lager aufschlug, während es auf sein eigenes Spielhaus wartete.

Ein Brandstifter verwüstete die Räumlichkeiten 1996, und eine Weile besuchten sie nur noch Vandalen, die sich dort zu schaffen machten. Schon zu dieser Zeit fiel der Beschluss, das Gebäude zum Teil eines zentralen Schulstandortes zu machen, und nach einer Sanierung wurde am 1. August 2002 wieder dort unterrichtet - jetzt unter dem Namen „Haus B“. Am Tag der geplanten offiziellen Eröffnungsfeier geriet das Haus wieder mit den Elementen in Konflikt: Das Jahrhunderthochwasser wütete durch die Region, die Feier fiel aus.

Ihren neuen Titel trägt die Einrichtung bis heute, und begrüßt täglich etwa 300 Schüler der 5. bis 8. Klassen des Winckelmann-Gymnasiums. Eine Jubiläumsfeier wird es allerdings nicht geben, eben weil keine der Formen besonders lange anhielt. „Wir haben da gar keinen Bezug zu“, erklärte Schulleiterin Anke Bollmann. Anfragen zu möglichen Jubiläumsveranstaltungen gab es trotzdem schon, schließlich verbinden viele Stendaler eine persönliche Geschichte mit dem Gebäude – welche Funktion es zu der Zeit auch immer erfüllt haben mag.