Kloster Neuendorf l War es Liebe auf den ersten Blick? „Ja, das kann man so sagen“, bestätigte das Jubelpaar, denn vom ersten Tag an seien sie beide unzertrennlich gewesen. Und Liebe sei es auch immer noch, was beide eint. Am 13. Juni vor 60 Jahren hatten sich Edith und Gerhard Werner das Ja-Wort fürs Leben gegeben. Und somit können sie nun das Fest der diamantenen Hochzeit feiern.

Gerhard Werner, geboren am 27. Januar 1938 im schlesischen Karlschau, kam mit seiner Mutter und zwei Geschwistern 1945 in die Oberlausitz. Sein Vater blieb im Krieg. Er gilt bis heute als vermisst. Seine Frau Edith (geboren am 18. Dezember 1938 in Kloster Neuendorf) ging nach dem Abschluss ihrer Friseurlehre 1957 in den Westen. Stuttgart wurde ihre neue Heimat. Dorthin hatte es auch Gerhard Werner verschlagen. Beide nahmen unabhängig voneinander eine Einladung zu einer Awo-Feier an. Sie mit ihrer Mädelsgruppe, er mit seiner Jungsgruppe.

In der Straßenbahn geliebäugelt

Schon auf der Fahrt mit der Straßenbahn zur Feier sahen sich beide das erste Mal. „Da haben wir schon miteinander geliebäugelt“, erinnerte sich die Jubelbraut. Und als sie beide merkten, dass sie dasselbe Feierziel hatten, kamen sie sich noch ein Stück näher. „Nach der Awo-Feier sind wir alle zusammen noch in der Stuttgarter Altstadt von Bar zu Bar gezogen“, erzählte der Jubelbräutigam. „Und so sind wir zusammengekommen“, ergänzte Edith Werner.

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Edith Werner zog es zwei Jahre später wieder zurück in die Heimat. Ihr Vater habe damals darum gebeten. Gerhard Werner folgte seiner künftigen Frau. Gemeinsam kamen sie im Mai 1959 zurück nach Kloster Neuendorf. „Mein Vater hatte schon alles vorbereitet“, den Hochzeitstermin, die Feier und die Arbeitsstellen. Wenige Wochen nach der Rückkehr, am 13. Juni 1959, wurde dann Hochzeit gefeiert. „Das war ein Freitag, und es war genauso warm wie heute“, erinnerte sich die 80-jährige Diamantbraut. Gefeiert wurde im Elternhaus, in der guten Stube. 30 Gäste gehörten zur Hochzeitsgesellschaft.

Hobby ist das Reisen

Gerhard Werner, gelernter Maschinenschlossermeister, arbeitete zunächst drei Jahre im LIW in Gardelegen, danach im KfL Schneidlingen in der Börde mit Betriebsteilen unter anderem in Egeln und Mieste. Zuletzt war er im KfL Jävenitz tätig. Ehefrau Edith hatte in einem Salon am Aschberg gelernt, arbeitete dort auch nach ihrer Rückkehr aus Stuttgart, später dann in der PGH Sybille und 23 Jahre im Salon in Jävenitz. Das Paar hat drei Kinder, Sylke, Veronika und André. Dazu kommen neun Enkel und zwei Urenkel (ein und zwei Jahre alt). In wenigen Monaten werden noch zwei Urenkel dazu kommen.

Zu ihren Hobbys gehören das Reisen, zu DDR-Zeiten Camping an der Ostsee, nach der Wende war das Paar auch im Ausland unterwegs, unter anderem in Mexiko, Tunesien und in der Türkei. Heute geht es einmal jährlich zur Kur. Das Paar ist aber auch sehr gern zu Hause, denn im Garten gibt es einen großen Pool, eine Sauna und einen Whirlpool. Jeden Morgen um 7 Uhr geht es in den Pool – in der Saison bei Regen, Wind und Wetter. Donnerstags ist Saunatag. „Und freitags gehen wir einkaufen“, erzählte Edith Werner und lachte. Ehemann Gerhard liebt außerdem die Sonne – gerade mal Anfang Juni ist der 81-Jährige schon braun gebrannt, als ob er gerade aus einem Karibikurlaub zurückgekommen wäre.

Beide sind auch in der modernen Technikwelt unterwegs. Jeder arbeitet mit seinem PC. Er macht Online-Banking. Sie bestellt online. „Und das muss mein Mann dann bezahlen.“ Alexa, Tablet und Smartphone gehören bei Werners zum Alltag. Ein Rezept für 60 Jahre glückliche Ehe? „Man muss in guten und schlechten Zeiten zusammenhalten und sich immer wieder annähern“, sagte Edith Werner. Natürlich gebe es auch mal Streit. Sonst wäre das ja langweilig. „Man muss eben aber auch verzeihen können“, betonte die Jubelbraut.