Ludwigshafen-Oggersheim l „Das war ein komisches Spiel. Zuerst gewinnen wir die vermeintlich schweren Duelle und dann wird es hinten noch einmal so eng. 6:2 sieht so deutlich aus, aber das war es überhaupt nicht.“ So umschrieb SKV-Präsident Lothar Müller sichtlich geschafft, aber glücklich, seine Eindrücke vom Finale. Und das umschreibt auch tatsächlich den Kampf, den die Zerbster bestehen mussten, ehe zum neunten Mal der Weltpokal gesichert war.

Geballte Macht zum Start

Die Italiener wollten den SKV mit geballter Macht im Startdurchgang unter Druck setzen. Dies gelang jedoch nur teilweise. Der Weltmeister Vilmos Zavarko fand erstaunlicherweise gar nicht in sein gewohntes Spiel. Ehe er sich versah, hatte Mathias Weber (3:1, 607:599) drei Sätze und damit sein Duell gewonnen. „Ich bin überwältigt. Ich hatte heute morgen noch gesagt, dass ich gern gegen Zavarko spielen und gewinnen will. Und obwohl ich nicht mein bestes Kegeln zeigen konnte, habe ich die Chancen genutzt, die er mir geboten hat“, meinte der Oberpfälzer mit Tränen in den Augen.

Gleichzeitig drehte Florian Fritzmann (2:2, 637:629), wie schon im Halbfinale gegen Szeged (HUN), erst in der zweiten Spielhälfte richtig auf und holte den schon verloren geglaubten Mannschaftspunkt (MP) gegen Robert Ernjesi. Durch den 3:1-Sieg von Armin Egger gegen Manuel Weiß (1:3, 587:611) stand es zur Hälfte der Partie 2:1 für Zerbst. Doch Neumarkt hatte im Gesamtkegelergebnis einen knappen Acht-Kegel-Vorsprung.

Wer nun nach den tollen Leistungen der Rot-Weißen in der Qualifikation und im Halbfinale glaubte, dass die Zerbster im zweiten Durchgang schnell die Entscheidung herbeiführen würden, sah sich getäuscht. Zwar hatte Hoffmann (3:1, 609:568) Hubert Lantschner im Griff, doch Florian Thaler und vor allem der starke italienische Kapitän Wolfgang Blaas gaben nicht kleinbei, hielten ihr Team im Spiel und bauten sogar den Kegelvorsprung noch aus. Doch auf der letzten Bahn zündeten Igor Kovacic (2,5:1,5, 611:592) gegen Thaler und Thomas Schneider (2:2, 626:654) gegen Blaas den Turbo und ließen Fans, Spieler und Offizielle jubeln.

„Ich hatte nie gezweifelt. Irgendeiner hat ja immer gezogen“, meinte Schneider kurz nach dem Sieg. Und dann verwandelten die Weltpokalsieger die Halle zum Tollhaus. Es wurde gejubelt, gesungen und gefeiert. „Zippel Zerbst“, „Hier regiert der SKV“ und „Weltpokalsieger Rot Weiß Zerbst…“ hallten lautstark durch den Ludwigshafener Classic-Treff. Einige der SKV-Stars tanzten überglücklich auf den Bahnen. Andere mussten die Anspannung erst einmal ruhig, teils mit Tränen in den Augen, allein in irgendeiner Ecke der Halle abklingen lassen.

„Ich hatte nie gezweifelt. Irgendeiner hat ja immer gezogen.“

Thomas Schneider.

Doch bei der Siegerehrung, der Übergabe der Medaillen und des „Potts“ waren alle stolz auf das Erreichte. Kapitän Hoffmann fasste bei den abendlichen Feierlichkeiten emotional die Weltpokalwoche zusammen: „Wir haben hier wieder Großes geschafft. Den Sieg haben wir uns mit starken Leistungen über die ganze Woche und mit dem unbändigen Willen und Kampfgeist heute verdient. Ich danke euch allen und bin stolz auf uns.“

Bis tief in die Nacht feierten die Rot-Weißen mit Gesängen ihren großen Triumph. Zum neunten Mal ist der SKV nun wieder die weltbeste Kegelmannschaft. Und das absolut verdient. Der Pokal wird einen besonderen Platz im VIP-Raum des „Stadtwerke Kegelsportcenters“ in Zerbst finden. „Da ist das Ding…“